Hinter Dem Stahltor Wartete Rike, Und Saskia Gehorchte Nicht-thtruc2710

Saskia Trent wusste später nicht mehr, ob sie zuerst den Geruch von nassem Laub oder den metallischen Geschmack von Angst wahrgenommen hatte.

In ihrer Erinnerung lag alles übereinander: das Grün, der Schlamm, das Blut an Rikes Gesicht und das Geräusch des Stahltors, als es hinter ihrer besten Freundin zufiel.

Rike Stein war nicht irgendeine Kameradin gewesen.

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Sie war die Frau, die Saskia aus einem brennenden Fahrzeug gezogen hatte, als andere noch auf Befehle warteten.

Sie war diejenige gewesen, die in Nächten nach Einsätzen keinen großen Trost versprochen hatte, sondern nur eine Tasse Wasser hingestellt und sich wortlos daneben gesetzt hatte.

Bei Menschen wie ihnen waren solche Gesten größer als Reden.

Der Einsatz hatte mit einem sachlichen Auftrag begonnen.

Eine Patrouille sollte eine Route prüfen, über die Waffen und Rauschgift in das Gebiet verschoben wurden, und die Lagekarte hatte den Weg als riskant, aber machbar beschrieben.

Saskia hatte den Ausdruck noch gesehen, sauber gefaltet, mit einer roten Linie durch das Gelände und zwei markierten Übergängen.

Es war eine dieser Karten, die unter Neonlicht vernünftig aussehen.

Draußen unter dem Blätterdach war sie nur Papier.

Der erste Schuss kam aus einer Richtung, aus der laut Karte niemand hätte kommen dürfen.

Der zweite kam so kurz danach, dass niemand mehr Zeit hatte, ordentlich zu fluchen.

Die Gruppe brach auseinander, nicht aus Feigheit, sondern aus dem einzigen Grund, aus dem Menschen im Feuer überleben: Sie suchten Deckung, bevor sie nach Erklärungen suchten.

Saskia sah Rike neben einem umgestürzten Stamm fallen.

Sie sah die Bewegung ihres Arms, als wollte Rike noch ein Zeichen geben.

Dann schlug ein Feuerstoß über Saskias Helm in die Rinde, und die Welt bestand nur noch aus Splittern, Erde und dem harten Befehl des Körpers, am Leben zu bleiben.

Als sie wieder vorwärtskam, war Rike weg.

Keine Stimme.

Kein Ruf.

Nur eine Schleifspur im Boden und ein einzelner Abdruck einer Stiefelsohle, der nicht zu ihrer Einheit gehörte.

Saskia funkte.

Die Antwort der Einsatzleitung war ruhig, und gerade diese Ruhe machte sie unerträglich.

„Position halten.“

Eine Rettungsgruppe werde organisiert.

Achtundvierzig Stunden.

Saskia wiederholte die Zahl innerlich und merkte, dass sie in ihr keinen Platz fand.

Achtundvierzig Stunden waren Verwaltung.

Achtundvierzig Stunden waren Lagebesprechung, Genehmigung, Transport, zweite Bestätigung.

Achtundvierzig Stunden waren nicht Rike mit gefesselten Händen hinter einer Mauer.

Sie sagte nichts in den Funk.

Das war ihre erste Entscheidung.

Die zweite war, das Gerät auszuschalten.

Die dritte war, es in Stoff zu wickeln und unter Wurzeln zu schieben, damit keine Stimme aus sicherer Entfernung ihr den Mut abnahm.

Danach bewegte sie sich.

Nicht schnell.

Schnelligkeit war dort draußen nur eine andere Form von Lärm.

Sie folgte der Spur so weit, wie sie sie lesen konnte, und dann dem Gelände, weil Menschen, die Gefangene schleppen, bequeme Wege nehmen, selbst wenn sie gefährlich sind.

Nach weniger als einer Stunde sah sie das Lager.

Betonmauer.

Zwei sichtbare Türme.

Ein Stahltor.

Ein flaches Dach mit Sandsäcken.

Männer, die sich nicht wie Gangster bewegten, sondern wie Soldaten, nur ohne Abzeichen und ohne Gewissen.

Dann sah sie Rike.

Vier Männer rissen sie über die Lichtung.

Eine rote Linie lief von ihrer Schläfe zur Wange.

Ihre Schultern waren noch gerade genug, um Saskia weh zu tun.

Rike hatte immer diese eine Beleidigung für den Tod gehabt: Sie sah ihn an, als sei er unpünktlich.

Als das Tor aufging, drückte Saskia das Fernglas fester an die Augen.

Als es zufiel, ließ sie es sinken.

In den ersten Sekunden hätte sie alles falsch machen können.

Sie hätte schreien können.

Sie hätte rennen können.

Sie hätte sich selbst erzählen können, dass Mut und Raserei dasselbe seien.

Aber Rike hatte sie besser ausgebildet als das.

Saskia atmete langsam ein.

Dann zählte sie.

Vier Männer oben.

Zwei am Tor.

Acht im Hof und zwischen den flachen Gebäuden.

Später wurden es vierzehn, weil zwei unter einem Vordach gestanden hatten, im Schatten, genau dort, wo ein ungeduldiges Auge sie übersehen hätte.

Saskia zwang sich, jede Kleinigkeit anzusehen.

Wer sich auf wen verließ.

Wer beim Rauchen die falsche Seite zeigte.

Wer den Finger zu lange nahe am Abzug hielt.

Wer müde war.

Wer nur so tat.

Der Bach an der Nordseite war der erste Fehler.

Der westliche Hügel war der zweite.

Der Hof selbst war zu offen, fünfzig Meter nackter Boden ohne Deckung, aber niemand hatte die Sichtlinien aus dem Schilf sauber kontrolliert.

Es war kein Weg hinein.

Es war nur ein Anfang.

Saskia dachte an die Einsatzleitung, an das Funkprotokoll, an die Stimme, die Achtundvierzig Stunden gesagt hatte.

Dann dachte sie an Rikes Stimme vor acht Jahren, als Feuer in einem Fahrzeug gekrochen war.

„Trent, wenn du da drin stirbst, rede ich nie wieder mit dir.“

Es war eine lächerliche Drohung gewesen.

Sie hatte funktioniert.

Rike hatte sie damals über Schutt und scharfes Metall gezogen, obwohl ein Splitter ihr eigenes Bein aufgerissen hatte.

Danach hatte sie im Sanitätszelt gesessen, blass wie Papier, und Saskia wegen verlorener Handschuhe beschimpft.

Saskia hatte damals gelacht, weil sie sonst geweint hätte.

Jetzt lachte sie nicht.

Sie prüfte ihre Ausrüstung einmal.

Nicht, weil sie nicht wusste, was sie trug.

Weil Rituale verhindern, dass Hände anfangen zu zittern.

Magazin.

Kammer.

Messer.

Verbandpäckchen.

Eine Feldflasche.

Rauch.

Blendkörper.

Kleine Sprengmittel, die Lärm machen konnten, aber keinen Krieg gewinnen würden.

Das war genug, um eine Tür im Kopf der Gegner zu öffnen.

Mehr nicht.

Sie kroch zum Hügel.

Jeder Zentimeter war Arbeit.

Dornen zogen am Stoff.

Schlamm saugte an den Knien.

Einmal knackte ein Ast unter ihrem Ellenbogen, und Saskia wurde so still, dass ihr eigener Puls wie fremder Lärm klang.

Auf dem linken Turm drehte ein Mann den Kopf.

Er sah in ihre Richtung.

Dann spuckte er über die Brüstung und wandte sich wieder ab.

Saskia wartete weitere zwanzig Atemzüge.

Nicht, weil sie musste.

Weil Überleben oft nur aus überflüssiger Geduld besteht.

Am Hügel baute sie die Ablenkung auf.

Nichts daran war schön.

Nichts daran hätte in einem Lehrgang Applaus bekommen.

Aber es hatte Richtung, Rhythmus und genau genug Unordnung, damit disziplinierte Männer einen Angriff vermuteten.

Rauch zuerst.

Dann Geräusch.

Dann Bewegung, die nicht menschlich sein musste, sondern nur menschlich genug wirkte.

Als alles vorbereitet war, sah sie zum Lager zurück.

Da öffnete sich im Hof eine Tür.

Zwei Männer zerrten Rike hinaus.

Rike ging nicht freiwillig, aber sie half ihrem Körper mit kleinen, wütenden Schritten, damit sie nicht vor ihnen auf die Knie fiel.

Dann fiel sie doch.

Nur kurz.

Der Mann hinter ihr riss sie hoch, und etwas Flaches rutschte aus ihrer zerrissenen Kragentasche.

Es fiel in den Staub.

Saskia erkannte die Erkennungsmarke an der Form, bevor sie die Details sah.

Der Wachmann bückte sich.

Auf dem Westhang sprang der erste Teil der Ablenkung an.

Rauch hob sich zwischen Farnen, zuerst dünn, dann dicht genug, um die Augen der Männer zu nehmen.

Jemand rief.

Der linke Turm schwenkte.

Der Mann am Tor griff zum Funkgerät.

Der junge Wachmann, der nach Rikes Marke gegriffen hatte, erstarrte, als könne sein Körper nicht entscheiden, welche Gefahr wichtiger war.

Das war der Spalt.

Saskia nutzte ihn.

Nicht wie in Filmen.

Nicht mit einem Schrei.

Sie rutschte zurück in den Schatten, nahm die Nordlinie und ließ den Bach den Lärm ihrer Bewegung fressen.

Das Wasser war warm und braun.

Es kroch in ihre Stiefel, füllte jede Falte, zog an ihr wie eine zweite Hand.

Hinter ihr bellten Befehle.

Vor ihr lag die Mauer.

Sie hatte keinen vollständigen Plan für danach.

Manchmal ist ein Plan nur die feste Weigerung, an der falschen Stelle stehen zu bleiben.

Am nördlichen Rand gab es eine Stelle, an der Wurzeln den Beton unterspült hatten.

Nicht genug für einen Menschen, der sauber bleiben wollte.

Genug für jemanden, der keine Wahl mehr hatte.

Saskia quetschte sich durch Schlamm, Stein und Wurzeln, riss sich die Schulter auf, blieb mit dem Gurt hängen, löste ihn mit einer Bewegung, die mehr Wut als Technik war, und kam auf der Innenseite unter einem Stapel verrotteter Bretter heraus.

Im Hof war das Lager noch nach Westen ausgerichtet.

Die Männer sahen dorthin, wo der Rauch ihnen eine Geschichte erzählte.

Saskia suchte Rike.

Sie sah sie neben dem offenen Gebäude, halb von einem Mann gehalten, der jetzt mehr zum Tor als zu seiner Gefangenen blickte.

Rike hatte die Erkennungsmarke wieder im Staub gesehen.

Ihr Blick ging von der Marke zum Schilf, dann ganz kurz nach Norden.

Saskia begriff, dass Rike sie gesehen hatte.

Nicht direkt.

Aber genug.

Rike tat das Einzige, was sie tun konnte.

Sie sackte erneut in die Knie, diesmal schwerer, absichtlicher, und zwang den Mann hinter ihr, sich zu beugen.

Saskia bewegte sich.

Die nächsten Sekunden waren später nur Bruchstücke.

Ein Griff.

Ein Stoß.

Ein dumpfer Laut.

Rike, die trotz gefesselter Hände ihr Gewicht genau in den falschen Moment legte.

Saskia, die den Mann nicht heroisch besiegte, sondern ihn mit Gewalt, Training und Glück aus dem Gleichgewicht brachte.

Kein sauberer Kampf.

Kein schöner Kampf.

Nur ein kurzer, schmutziger Moment, in dem zwei Frauen beschlossen, dass ein Lager voller Männer nicht das letzte Wort haben würde.

Saskia schnitt Rikes Fesseln durch.

Rike bekam die Hände frei, aber ihre Finger gehorchten nicht sofort.

„Du hast das Funkgerät ausgeschaltet“, sagte sie heiser.

Saskia antwortete nicht.

Rike sah sie an, und trotz Blut und Dreck lag etwas fast Zufriedenes in ihrem Blick.

„Natürlich hast du das.“

Der Alarm änderte seinen Ton.

Nicht mehr Verwirrung.

Zielsuche.

Jetzt war das Lager wach.

Saskia zog Rike in den Schatten zwischen zwei Gebäuden.

Ein Mann kam um die Ecke, zu schnell, zu laut, zu sicher, dass niemand dort sein konnte.

Rike trat ihm mit einer Kraft gegen das Knie, die sie eigentlich nicht mehr haben durfte.

Saskia nahm ihm den Rest der Bewegung.

Danach blieb keine Zeit für Triumph.

Sie brauchten den Rand.

Sie brauchten den Bach.

Sie brauchten, dass die Ablenkung länger hielt, als sie verdient hatte.

Rike stolperte zweimal.

Beim zweiten Mal fing Saskia sie auf, und Rike machte ein wütendes Geräusch, weil sie Hilfe hasste, wenn sie nötig war.

„Spar dir den Stolz“, sagte Saskia.

„Später.“

Sie kamen bis zur Nordmauer.

Der Weg unter den Wurzeln war enger, als Saskia ihn in Erinnerung hatte, oder Rikes Körper war einfach zu müde.

Hinter ihnen näherten sich Schritte.

Nicht viele.

Zwei, vielleicht drei.

Genug.

Saskia schob Rike zuerst durch die Öffnung.

Rike blieb auf halbem Weg hängen, weil der zerrissene Kragen sich an einer Wurzel verfing.

Für eine Sekunde war alles still.

Dann schnitt Saskia den Stoff frei.

Rike verschwand in den Schlamm auf der anderen Seite.

Saskia folgte.

Ein Schuss schlug in den Beton über ihr, keine Handbreit von ihrem Kopf entfernt.

Ein zweiter prallte irgendwo in den Wurzeln ab.

Dann nahm der Bach die Geräusche wieder auf.

Sie krochen, bis das Schilf hoch genug war.

Sie liefen nicht.

Rike konnte nicht laufen.

Saskia legte Rikes Arm über ihre Schulter und trug mehr Gewicht, als sie sich eingestehen wollte.

Hinter ihnen wurde der Rauch dünner.

Die Lüge am Westhang starb.

Jetzt würde die Wahrheit sie jagen.

Saskia fand das vergrabene Funkgerät nicht beim ersten Griff.

Für drei furchtbare Sekunden tastete sie nur Erde, Wurzeln und feuchte Blätter.

Dann fühlte sie den Stoff.

Sie riss das Gerät heraus, wischte Schlamm vom Gehäuse und schaltete es ein.

Der Kanal knackte.

Eine Stimme der Einsatzleitung war sofort da, schärfer als vorher.

„Trent, melden.“

Saskia sah Rike an.

Rike atmete flach, aber sie grinste mit einer Seite des Mundes.

„Sag ihnen nicht, dass du brav warst.“

Saskia drückte die Sprechtaste.

„Zwei Personen beweglich. Eine Verwundete. Gegner alarmiert. Nordlinie. Sofortige Aufnahme erforderlich.“

Es gab eine Pause.

Dann keine Vorwürfe.

Nur Arbeit.

Koordinaten.

Richtungsangaben.

Eine neue Stimme, näher, die bestätigte, dass ein Element bereits unterwegs war und die Verzögerung nicht mehr achtundvierzig Stunden hieß, sondern Minuten.

Minuten können sehr lang sein, wenn jemand neben dir blutet.

Saskia verband Rikes Kopf so sauber, wie ihre Hände es zuließen.

Rike verlor einmal kurz das Bewusstsein und kam wieder zurück, als Saskia ihren Namen sagte.

„Nicht einschlafen.“

Rike öffnete die Augen.

„Du klingst wie ich.“

„Das ist das Schlimmste, was du je zu mir gesagt hast.“

Rike versuchte zu lachen, scheiterte und fluchte leise.

Die ersten eigenen Leute erreichten sie unterhalb einer Böschung.

Keine große Musik.

Kein perfekter Moment.

Nur harte Hände, gedämpfte Stimmen, ein Sanitätsrucksack, der aufgerissen wurde, und jemand, der endlich sagte, was Saskia hören musste.

„Wir haben sie.“

Rike wurde auf eine Trage gehoben.

Als sie an Saskia vorbeigetragen wurde, griff sie mit zwei Fingern nach Saskias Ärmel.

Nicht fest.

Aber bewusst.

„Die Marke“, flüsterte sie.

Saskia öffnete ihre linke Hand.

Sie hatte die Erkennungsmarke im Hof mitgenommen, ohne sich daran zu erinnern.

Im Staub und Blut auf dem Metall war neben Rikes Namen eine eingeritzte Kennzeichnung zu sehen, die zu einer Funkfrequenz passte, die kurz vor dem Hinterhalt im Protokoll aufgetaucht war.

Rike hatte sie nicht behalten, weil sie sentimental war.

Sie hatte sie behalten, weil sie Beweis war.

Später, im provisorischen Sanitätsbereich, wurde aus dem chaotischen Einsatz wieder Papier.

Eine Verwundungsmeldung.

Ein Funkprotokoll.

Eine nachgetragene Lagebeschreibung.

Die Erkennungsmarke in einem kleinen Beutel, beschriftet, fotografiert, abgelegt.

Saskia sagte jedes Detail, das sie gesehen hatte.

Zwölf Männer zuerst.

Vierzehn später.

Vier auf den Türmen.

Zwei am Tor.

Rauch am Westhang.

Nordlinie unterspült.

Rike wach beim Herausschleppen.

Der junge Wachmann, der die Marke aufheben wollte.

Sie ließ nichts dramatischer klingen, als es gewesen war.

Das war nicht nötig.

Die Wahrheit war laut genug.

Ein Offizier der Einsatzleitung stand am Rand des Zeltes, die Hände hinter dem Rücken, und hörte zu, ohne sie zu unterbrechen.

Als Saskia fertig war, sah er nicht auf das Formular.

Er sah sie an.

„Sie wissen, dass Sie einen direkten Befehl missachtet haben.“

Saskia war zu müde, um klug zu antworten.

„Ja.“

„Sie wissen auch, dass Feldwebel Stein ohne Ihr Handeln wahrscheinlich nicht mehr hier wäre.“

Saskia schwieg.

Nebenan klapperte Metall, als jemand eine Schale abstellte.

Rike lag hinter einem Vorhang, sediert, stabil, mit einem Verband um den Kopf und Schlamm in den Haaren, den niemand vollständig herausbekommen hatte.

Der Offizier nickte einmal, klein, nicht feierlich.

„Dann schreiben wir zuerst den Bericht. Danach reden wir über den Rest.“

Das war alles.

Keine Orden.

Keine Entschuldigung.

Keine große Rede darüber, dass Regeln manchmal zu langsam sind.

Nur ein Bericht, der festhielt, dass eine Soldatin verschwunden war, dass eine andere sie gefunden hatte, und dass aus achtundvierzig Stunden am Ende nicht einmal zwei wurden.

In der nächsten Nacht saß Saskia auf einer Kiste vor dem Sanitätszelt.

Sie hatte eine Tasse Kaffee in der Hand, der nach Metall und Staub schmeckte.

Rike schlief.

Das Funkgerät lag auf dem Tisch neben ihr, gereinigt, aber noch mit Erde in den Rillen.

Saskia sah lange darauf.

Sie wusste, dass sie Ärger bekommen würde.

Sie wusste, dass manche Entscheidungen nicht dadurch richtig werden, dass sie gut ausgehen.

Aber sie wusste auch, dass Angst, die man sortiert, Arbeit werden kann.

Und Arbeit kann jemanden nach Hause bringen.

Als Rike am Morgen die Augen öffnete, war ihre Stimme kaum mehr als ein Kratzen.

„Hast du meine Handschuhe gesehen?“

Saskia starrte sie an.

Dann begann sie zu lachen, leise zuerst, dann mit einer Erschöpfung, die fast weh tat.

Rike schloss wieder die Augen, zufrieden wie jemand, der eine Ordnung wiederhergestellt hatte.

So maß man Freundschaft dort draußen.

Nicht an Fotos.

Nicht an Geburtstagen.

An dem Moment, in dem jemand kommt, obwohl jede Vorschrift sagt, dass er warten soll.

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