Eine Hündin Zählte Sechs Welpen, Bevor Sie Selbst Atmen Wollte-mejusnhi

Die Mutterhündin trug ihren sechsten Welpen durch das Hochwasser, als die Strömung ihren Kopf unter Wasser zog.

Nur der kleine schwarze Welpe blieb über der braunen Oberfläche.

Dann brach ihre Nase wieder durch.

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Sie hustete, schlug mit den Vorderbeinen härter gegen das Wasser und hielt das winzige Bündel so vorsichtig zwischen den Zähnen, als wüsste sie, dass jede falsche Bewegung alles kosten konnte.

Ich war an diesem Tag mit einem Tierschutzteam in einem deutschen Wohngebiet unterwegs, das vom Hochwasser abgeschnitten war.

Die Straße war unter braunem Wasser verschwunden.

Zaune lagen flach wie nasse Linien im Schlamm.

Auf Einfahrten standen Autos bis zu den Türgriffen im Wasser, und zwischen zwei Laternen trieb eine kleine Holzbank vorbei, als hätte jemand sie einfach vergessen.

Es roch nach Keller, Öl, Erde und nassem Holz.

Dieses Hochwasser hatte nichts Dramatisches im Sinne eines Films.

Es war leise, schwer und gründlich.

Es nahm den Menschen nicht nur Dinge weg, sondern auch die Gewissheit, wo der Boden war.

Wir fuhren mit einem kleinen Boot langsam durch die Siedlung, suchten nach Tieren auf Garagendächern, nach Katzen in Fensternischen, nach Hunden auf Treppenabsätzen.

Manchmal sieht man in solchen Einsätzen zuerst die großen Schäden.

Ein umgestürzter Schrank.

Ein Gartenhaus, das gegen eine Mauer gedrückt wurde.

Eine Haustür, die offen steht, obwohl niemand mehr dahinter ist.

Aber meistens sind es die kleinen Dinge, die hängen bleiben.

Ein einzelner Kinderschuh im Wasser.

Eine Pfandflasche, die immer wieder gegen dieselbe Regenrinne stößt.

Ein Briefkasten, aus dem nasse Umschläge quellen.

An der Ecke einer kleinen Kirche bemerkten wir zum ersten Mal die Hündin.

Sie schwamm auf eine schmale Betonplatte zu, die knapp aus dem Wasser ragte.

Neben ihr war ein Schild halb versunken, die Buchstaben unlesbar, weil Schlamm wie graue Farbe daran klebte.

Die Hündin war braun, mit einer weißen Brust, und ihr Körper war viel zu schmal.

An ihrem Bauch sah man, dass sie säugte.

Ihre Rippen bewegten sich unter dem nassen Fell, jedes Einatmen sichtbar.

Sie kletterte auf die Betonplatte, stellte die Vorderpfoten breit, beugte den Kopf und legte einen nassen Welpen ab.

Drei andere lagen bereits dort.

Sie lagen eng aneinander, winzig, dunkel, hellbraun, kaum mehr als Atem und Fell.

Die Hündin roch an ihnen, einer nach dem anderen.

Dann drehte sie sich wieder zum Wasser.

Niemand von uns sagte sofort etwas.

Nicht, weil wir den Vorgang nicht verstanden.

Sondern weil wir ihn zu schnell verstanden.

Sie rettete ihren Wurf selbst.

Hinter der Kirche war eine kleine Lagerterrasse eingestürzt, eine Art Holzpodest, unter dem die Welpen offenbar gelegen hatten.

Das Wasser hatte Bretter gelöst und die Unterkonstruktion angehoben.

Die Welpen waren dort nicht mehr sicher.

Also hatte ihre Mutter begonnen, sie einzeln herauszutragen.

Fast vierzig Meter bewegtes Wasser lagen zwischen dem Versteck und der Betonplatte.

Vierzig Meter klingen an einem trockenen Tag lächerlich.

An einem Hochwassertag sind vierzig Meter eine Strecke, auf der ein erwachsener Mensch stolpert, die Orientierung verliert und gegen Dinge geschoben wird, die er nicht einmal sieht.

Für eine erschöpfte Hündin mit einem Welpen im Maul waren es keine vierzig Meter.

Es waren sechs Entscheidungen.

Wir beobachteten, wie sie wieder in Richtung der Lagerterrasse schwamm.

Der Bootsführer ließ den Motor nur im Standgas laufen, weil unter uns nicht zu erkennen war, wo Zäune, Treppen, Äste oder scharfkantige Bleche lagen.

Eine Helferin neben mir hielt bereits eine Transportkiste bereit.

Die Kiste war mit Handtüchern ausgelegt, die wir in einem trockenen Rucksack aufbewahrt hatten.

Sie kniete auf dem Bootsboden, die Knie in einer Pfütze, und sah immer wieder von der Betonplatte zum Wasser.

Wir wussten nicht, wie viele Welpen es waren.

Die Hündin wusste es.

Als sie mit dem fünften Welpen zurückkam, sah man die Veränderung sofort.

Ihre Bewegungen waren nicht mehr rund.

Ein Vorderbein kam später aus dem Wasser als das andere.

Der Kopf sank einmal so tief, dass ich den Atem anhielt.

Dann zog sie ihn wieder hoch.

Der kleine Körper in ihrem Maul blieb erstaunlich still.

Nicht schlaff.

Still.

Sie erreichte die Betonplatte, zog sich mit einem Ruck darauf, legte den Welpen ab und schob ihn mit der Nase zu den anderen.

Dann begann sie zu prüfen.

Eins.

Zwei.

Drei.

Vier.

Fünf.

Sie tat es nicht wie ein Mensch zählt.

Sie berührte jeden kleinen Körper mit der Nase, roch, wartete einen Sekundenbruchteil, ging weiter.

Das war keine Pose für eine Kamera.

Es war eine Liste, die nur sie lesen konnte.

Als sie den fünften Welpen geprüft hatte, blieb sie stehen.

Dann sah sie zurück zum Wasser.

In diesem Blick lag kein Heldentum.

Heldentum ist ein Wort, das Menschen später verwenden, wenn sie nicht wissen, wie sie Pflicht anders nennen sollen.

Die Hündin hatte kein Publikum gesucht.

Sie hatte nur gemerkt, dass einer fehlte.

Der Bootsführer griff zum Gashebel.

Ich sagte, wir müssten näher ran.

Er nickte, ohne den Blick vom Wasser zu nehmen.

Wir bewegten uns langsam parallel zu ihr, denn zu viel Wellenschlag hätte es schlimmer gemacht.

Die Hündin sprang ein sechstes Mal ins Wasser.

Ein Stück Holz trieb zwischen uns und ihr vorbei.

Jemand im Boot zog es mit einem Haken weg.

Die Helferin mit der Kiste flüsterte etwas, das ich nicht verstand.

Vielleicht war es ein Gebet.

Vielleicht nur ein Wort, das Menschen sagen, wenn sie keine Anweisung mehr geben können.

Die Hündin verschwand hinter einem Strauch, dessen Spitzen noch aus dem Wasser ragten.

Für wenige Sekunden sahen wir sie nicht.

Dann tauchte sie wieder auf.

Der sechste Welpe war schwarz und kleiner als die anderen.

Er hing zwischen ihren Zähnen, aber nicht festgebissen.

Eher gehalten.

So präzise, dass man die Kraft darin erst begriff, wenn man sah, wie sehr der Rest ihres Körpers kämpfte.

Sie schwamm in unsere Richtung, aber die Strömung trug sie seitlich weg.

Der Bootsführer startete stärker an.

Das Boot ruckte.

Wasser schlug an die Seite.

Ich kniete schon an der Bordkante, eine Hand am Seil, die andere bereit, nach ihr zu greifen.

Dann zog die Strömung ihren Kopf unter Wasser.

Der Welpe blieb oben.

Für einen Augenblick war da nur der kleine schwarze Körper über der braunen Fläche.

Keine Hündin.

Kein Kopf.

Nur der Welpe.

Die Helferin machte ein Geräusch, das weder Schrei noch Wort war.

Der Bootsführer fluchte leise und riss das Steuer herum.

Ich spürte, wie mir Wasser in den Ärmel lief, als ich mich weiter über die Kante beugte.

Dann kam die Nase der Hündin wieder hoch.

Sie hustete Wasser aus, so heftig, dass ihr ganzer Körper bebte.

Aber sie ließ den Welpen nicht los.

Nicht einmal da.

Wir erreichten sie in einem Winkel, der nicht sauber war, aber ausreichte.

Zuerst fasste ich den Welpen.

Ich nahm ihn nicht aus ihrem Maul, als würde ich ihr etwas wegnehmen.

Ich stützte ihn, bis sie selbst den Kiefer einen Spalt öffnete.

Dann zog eine zweite Hand die Hündin am Geschirrersatz aus einem Handtuchgurt, den wir ihr in der Bewegung über Brust und Schultern gelegt hatten.

Es war unordentlich.

Es war nass.

Es war nicht schön.

Aber es funktionierte.

Die Hündin landete auf dem Boden des Bootes.

Sie hustete weiter, die Beine knickten weg, und ihr nasses Fell klebte so flach an den Rippen, dass sie kleiner aussah, als sie war.

Wir legten den schwarzen Welpen in ein Handtuch.

Die anderen fünf lagen bereits in der Transportkiste, eng beieinander, die Mäuler offen, die Körper zitternd.

Die Hündin versuchte aufzustehen.

Ich legte eine Hand vor ihre Brust, nicht um sie zu halten, sondern um zu verhindern, dass sie gegen die Kiste stürzte.

Sie drückte dagegen.

Nicht aggressiv.

Entschlossen.

Also ließen wir sie.

Sie schwankte zur Kiste.

Der schwarze Welpe lag noch auf dem Handtuch daneben.

Sie berührte ihn zuerst.

Dann ging ihre Nase in derselben Reihenfolge weiter.

Eins.

Zwei.

Drei.

Vier.

Fünf.

Sechs.

Sie hielt inne.

Dann begann sie von vorn.

Eins.

Zwei.

Drei.

Vier.

Fünf.

Sechs.

Erst nach dieser zweiten Prüfung brachen ihre Beine unter ihr weg.

Nicht dramatisch.

Nicht mit einem Laut.

Sie sank einfach auf den Bootsboden, legte den Kopf quer an die Kiste und schloss die Augen.

Ihre Nase blieb gegen den kleinsten Welpen gedrückt.

Die Helferin neben mir setzte sich auf die nasse Bank.

Sie hielt die Transportkiste fest, als könnte allein diese Bewegung verhindern, dass noch etwas verloren ging.

Der Bootsführer sagte über Funk, dass wir eine Mutterhündin und sechs Welpen hätten, Unterkühlung möglich, Erschöpfung massiv, sofortige tierärztliche Hilfe nötig.

Seine Stimme blieb ruhig.

Das ist bei Einsätzen wichtig.

Aber seine Hand am Funkgerät zitterte.

In der Notunterkunft wurde nicht lange geredet.

Die Welpen kamen in trockene Handtücher.

Eine Wärmelampe wurde aufgestellt.

Eine Tierärztin ging zuerst an die Mutter, weil sie am gefährlichsten wirkte, auch wenn sie selbst das offenbar anders sah.

Jedes Mal, wenn man einen Welpen bewegte, hob die Hündin den Kopf.

Man musste ihr die Hand vor die Nase halten, damit sie den Geruch des Welpen aufnehmen konnte.

Dann ließ sie es zu.

Ihr Körper war voller kleiner Schnitte.

An den Vorderbeinen fanden sich Schürfstellen, vermutlich von Holz und Metall unter Wasser.

Sie war dehydriert, obwohl überall Wasser gewesen war.

Ihre Rippen waren geprellt.

Und es gab Zeichen, dass sie schon vor dem Hochwasser geschwächt gewesen war.

Nicht nur durch die Geburt.

Nicht nur durch das Säugen.

Es sah aus, als sei sie trächtig allein gelassen worden.

Diese Feststellung veränderte den Raum.

Niemand machte daraus eine große Rede.

Die Tierärztin schrieb weiter.

Die Helferin sortierte Handtücher.

Ich füllte eine Schale mit Wasser, die erst einmal kaum angerührt wurde.

Aber in solchen Momenten wird es stiller als vorher.

Nicht, weil man überrascht ist, dass Menschen Tiere verlassen.

Sondern weil man gerade gesehen hat, was ein Tier trotzdem tut.

Wir nannten sie Juni.

Der Name kam nicht aus einem feierlichen Moment.

Er stand irgendwann auf dem Aufnahmebogen, weil ein Name gebraucht wurde, damit nicht nur Fallnummern auf den Schalen, Decken und Medikamenten klebten.

Juni lag in der ersten Nacht nicht richtig.

Sie ruhte in Abschnitten.

Immer wenn einer der Welpen sich zu weit von der kleinen Gruppe wegbewegte, hob sie den Kopf und prüfte nach.

Eins.

Zwei.

Drei.

Vier.

Fünf.

Sechs.

Dann legte sie den Kopf wieder hin.

Die Welpen überlebten die erste Nacht.

Das war der erste Satz, den alle hören wollten.

Sie überlebten auch die zweite.

Der schwarze Welpe blieb der kleinste, aber er trank.

Eine Hündin kann nicht erzählen, was sie getragen hat.

Also erzählen es die Dinge um sie herum.

Die nassen Handtücher.

Die Kratzer an ihren Beinen.

Der Schlamm im Fell, der auch nach dem ersten vorsichtigen Reinigen noch an den Ohren saß.

Die Art, wie sie bei jedem plötzlichen Wassergeräusch den Kopf hob.

Das kurze Video von der Rettung wurde später online gestellt.

Zuerst nur, damit die Menschen aus dem Einsatzgebiet sahen, dass auch nach Tieren gesucht wurde.

Dann wurde es geteilt.

Und wieder geteilt.

Innerhalb kurzer Zeit sahen es Millionen.

Später sprach jemand von mehr als fünfundzwanzig Millionen Aufrufen.

Menschen nannten Juni heldenhaft.

Sie schrieben, sie sei stärker als viele Menschen.

Sie schrieben, sie hätten geweint.

All das war verständlich.

Aber Juni wusste nichts von Kameras.

Sie wusste nichts von Klicks, Kommentaren oder Applaus.

Sie hatte steigendes Wasser gesehen.

Sie hatte sechs Welpen gezählt.

Dann hatte sie sechs Wege gemacht.

In den Wochen danach wurde klar, dass das Hochwasser nicht endete, nur weil ihr Fell trocken war.

Starker Regen machte sie unruhig.

Große Pfützen stoppten sie vollständig.

Wenn ein Welpe im Schlaf quiekte, war sie sofort wach.

Wenn einer beim Trinken abrutschte, schob sie ihn mit der Nase zurück.

Wenn die Tierärztin die Welpen untersuchte, musste die Reihenfolge stimmen, oder Juni stellte sich auf.

Nicht drohend.

Aber eindeutig.

Ordnung war für sie kein menschliches Konzept.

Ordnung war sechs.

Nach einigen Wochen wurden die Welpen kräftiger.

Sie bekamen runde Bäuche, klare Augen und diese ungelenke Energie, bei der kleine Pfoten ständig schneller sind als der Rest des Körpers.

Der schwarze Welpe war immer noch kleiner, aber nicht schwach.

Er drängte sich an die beste Stelle, als hätte er früh gelernt, dass man manchmal sehr entschlossen sein muss, um warm zu bleiben.

Für jeden Welpen wurden Familien gesucht.

Nicht schnell.

Sorgfältig.

Es gab Gespräche, Besuche, Fragen zu Zeit, Wohnung, Erfahrung und Geduld.

Niemand wollte, dass aus einer spektakulären Rettung später ein leiser Fehler wurde.

Juni blieb länger.

Nicht, weil sie niemand wollte.

Im Gegenteil.

Viele wollten die berühmte Hündin.

Aber eine Hündin ist kein Symbol, das man mit nach Hause nimmt.

Sie ist ein Lebewesen mit einer Geschichte, die sich im Alltag zeigt.

Bei Juni zeigte sie sich bei Regen.

Bei Wasserschüsseln, die umfielen.

Bei dunklen Wolken.

Bei Geräuschen im Keller.

Ich hatte sie in den Wochen nach der Rettung oft betreut.

Nicht besonders dramatisch.

Füttern.

Decken wechseln.

Medikamente geben.

Neben ihr sitzen, wenn sie nicht schlafen wollte.

Manchmal entscheidet sich Bindung nicht in großen Gesten.

Manchmal entsteht sie um 22 Uhr auf einem Fliesenboden, wenn ein Hund endlich den Kopf auf den eigenen Schuh legt.

Ich adoptierte Juni schließlich.

In der ersten Nacht in meinem Haus kontrollierte sie jeden Raum.

Sie ging nicht neugierig umher wie ein Hund, der ein neues Zuhause entdeckt.

Sie suchte.

Wohnzimmer.

Küche.

Flur.

Bad.

Schlafzimmer.

Dann wieder Wohnzimmer.

Als draußen Regen begann, wurde ihr Körper steif.

Sie stellte sich an die Wohnzimmertür und sah mich an, als hätte ich eine Aufgabe übersehen.

Ich setzte mich auf den Boden.

Ich redete nicht viel.

Zu viele Worte helfen Tieren selten.

Ich blieb einfach da.

Der Regen lief gegen die Fensterscheibe.

Juni stand auf, ging in die Küche, kam zurück, ging in den Flur und legte sich schließlich so hin, dass sie alle Türen im Blick hatte.

Erst als der Regen nachließ, schlief sie.

So ging es lange.

Ein Gewitter bedeutete Rundgang.

Ein starker Schauer bedeutete Kontrolle.

Eine große Pfütze auf dem Weg bedeutete stehen bleiben, Kopf senken, warten.

Ich zwang sie nicht.

Man kann Vertrauen nicht durchziehen wie einen Hund an der Leine.

Man kann nur zeigen, dass heute nicht damals ist.

Monate später schlief Juni zum ersten Mal durch einen gewöhnlichen Regen.

Ich merkte es erst, weil ich selbst wach wurde.

Der Regen klopfte ans Fenster, und Juni lag auf ihrer Decke, eine Pfote über der Nase.

Kein Rundgang.

Kein Zählen.

Nur Schlaf.

Ich blieb im Türrahmen stehen und tat nichts.

Man sollte solche Siege nicht stören.

Ein Jahr nach der Rettung kamen alle sechs Welpen zu einem Wiedersehen zurück.

Sie waren fast ausgewachsen, laut, gesund und voller schlechter Ideen.

Einer zog an der Leine, einer sprang in einen Wassernapf, einer versuchte, einem anderen das Spielzeug aus dem Maul zu nehmen.

Der kleine schwarze Welpe war nicht mehr der kleinste Hund auf dem Platz.

Er war nur noch der, den ich immer zuerst suchte.

Juni stand neben mir und sah ihnen entgegen.

Ihr Körper war ruhig.

Nicht gleichgültig.

Ruhig.

Als der erste Welpe zu ihr kam, senkte sie den Kopf.

Sie roch an der weißen Blesse einer Hündin.

Dann am kleineren braunen Rüden.

Dann an den anderen.

Eins.

Zwei.

Drei.

Vier.

Fünf.

Sechs.

Sie zählte sie nicht für uns.

Sie zählte sie für sich.

Erst danach nahm sie ein blaues Seilspielzeug auf.

Für einen Moment stand sie da, das Spielzeug im Maul, die sechs jungen Hunde um sie herum.

Dann lief sie los.

Nicht weg.

Vor ihnen her.

Die sechs rannten hinterher, über das Gras, durcheinander, bellend, lebendig.

Auf dem Rettungsboot hatte Juni sie gezählt, bevor sie sich erlaubte zusammenzubrechen.

In der Notunterkunft hatte sie sie gezählt, bevor sie sich erlaubte zu schlafen.

Bei jedem Regen hatte sie Räume geprüft, als könnten irgendwo noch Welpen im Wasser liegen.

Und an diesem Tag zählte sie sie, bevor sie sich erlaubte zu spielen.

Sie musste niemanden mehr durch Wasser tragen.

Diesmal konnten alle laufen.

Zusammen.

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