Drei identische Ziele auf dem Rhein – und nur eines war wirklich echt-thtruc2710

Ich ließ den Suchscheinwerfer auf der Stelle stehen, an der die behandschuhte Hand verschwunden war, und nahm den Schub vollständig zurück.

Die beiden unbemannten Boote wurden ebenfalls langsamer.

„Da unten ist unser Taucher“, sagte ich. „Und solange die beiden Fahrzeuge meinen Kurs kopieren, kann ich sie von ihm und von der Brücke wegziehen.“

Image

Der Brückenkommandant antwortete nicht sofort, doch auf meiner Anzeige blieb die rote Zielmarkierung um das Symbol meines Patrouillenbootes geschlossen.

Für das Führungsnetz war ich noch immer derselbe Eindringling wie die beiden unbemannten Boote.

„Wenn Sie erneut beschleunigen, eröffnen die Uferstellungen das Feuer“, sagte er schließlich.

„Wenn ich hier liegen bleibe, treiben die Eindringlinge direkt auf die Pontons.“

Unter dem Lichtkegel erschien die Hand erneut, diesmal nur für einen Augenblick, doch der Taucher schaffte es, den Notsender gegen eine Metallstrebe zu schlagen.

Drei kurze Schläge.

Eine lange Pause.

Zwei weitere.

Jetzt stimmte die Folge.

Ich griff nach dem Funkgerät und verlangte, dass der Kommandant die automatisch gemeldeten Koordinaten ausblendete und stattdessen die optischen Beobachter am Ufer nach unseren tatsächlichen Positionen fragte.

„Das Netz zeigt drei identische Ziele“, erwiderte er. „Ohne eindeutige Kennung kann ich keinem davon vertrauen.“

„Dann vertrauen Sie nicht der Kennung“, sagte ich. „Vertrauen Sie dem, was Ihre Leute mit eigenen Augen sehen.“

Das erste unbemannte Boot driftete näher an meine Backbordseite, obwohl Wind und Strömung es in die entgegengesetzte Richtung hätten drücken müssen.

Es wartete auf meine nächste Bewegung.

Ich drehte das Ruder nur wenige Grad und sah, wie beide Fahrzeuge dieselbe Korrektur ausführten, fast gleichzeitig, aber nicht vollkommen synchron.

Das nähere Boot reagierte zuerst.

Das hintere folgte einen Herzschlag später.

Zwischen ihnen musste es eine Rangfolge geben.

Eines empfing meine Daten unmittelbar, das andere übernahm dessen Kurs.

„Beobachtung bestätigt drei Boote“, meldete eine neue Stimme über Funk. „Das mittlere Fahrzeug trägt sichtbare Besatzung.“

Der Kommandant fragte: „Können Sie die Person identifizieren?“

„Negativ. Entfernung zu groß.“

„Aber Sie sehen, dass nur eines der Boote einen Menschen am Steuer hat“, sagte ich.

Wieder entstand eine Pause.

Auf der Pontonbrücke begannen die Fahrer der vordersten Krankenwagen, ihre Fahrzeuge Zentimeter für Zentimeter nach vorn zu bewegen, doch hinter ihnen blieb alles blockiert.

Die geöffneten Hecktüren schlugen im Wind gegen ihre Halterungen, während ein Sanitäter auf der Fahrbahn stand und mit beiden Armen Zeichen gab.

Er wusste nicht, dass unter seinen Füßen ein Taucher gegen die Strömung kämpfte.

Er wusste nur, dass im Wasser drei Boote lagen, die auf dem Führungsnetz dieselbe Identität trugen.

„Ich brauche zehn Sekunden ohne Feuerfreigabe“, sagte ich.

„Wofür?“

„Um festzustellen, welches der beiden Fahrzeuge führt.“

„Sie haben fünf.“

Ich legte den Fahrhebel nach vorn, riss das Ruder hart nach Steuerbord und nahm den Schub sofort wieder zurück.

Das nähere unbemannte Boot schwenkte gleichzeitig mit mir ein.

Das zweite begann seine Drehung später, zog sie jedoch weiter durch, weil es die Korrektur des ersten Fahrzeugs übernahm, als ich bereits wieder gerade lag.

Damit hatte ich die Hierarchie gefunden.

Das vordere Boot war der Spiegel.

Das hintere war sein Schatten.

Ich gab einen kurzen Schubimpuls nach Backbord und richtete meinen Bug so aus, dass der Spiegel zwischen mir und dem freien westlichen Ufer lag.

Er folgte mir.

Der Schatten folgte ihm.

Zum ersten Mal bewegten sich beide Eindringlinge von der Brücke weg.

„Feuerfreigabe ausgesetzt“, sagte der Kommandant. „Aber nur, solange Ihr Kurs vom Übergang wegführt.“

Unter dem Ponton tauchte die behandschuhte Hand ein drittes Mal auf.

Diesmal hielt sie nicht nur den Sender, sondern auch ein schmales schwarzes Kabel, das zwischen zwei Verbindungselementen der Brücke verschwand.

Der Taucher zog daran, doch das Kabel gab nicht nach.

Ich verstand, weshalb er nicht auftauchen konnte.

Er war nicht einfach von der Strömung unter die Brücke gedrückt worden.

Er hing an etwas fest, das dort befestigt worden war.

„Der Taucher zeigt ein Kabel“, meldete ich. „Möglicherweise gehört es zu der Weiterleitung.“

„Oder zu einer Ladung“, sagte der Kommandant.

Mit diesem einen Wort veränderte sich seine Stimme.

Bis dahin hatte er geglaubt, die beiden unbemannten Boote seien die unmittelbare Gefahr für die Pontons.

Nun musste er damit rechnen, dass sie nur Ablenkung waren.

Auf der Brücke stoppten die Krankenwagen erneut.

Die Ufergeschütze blieben auf mich gerichtet, aber zwei weitere Suchscheinwerfer wanderten zur Unterseite der Pontons.

Der Taucher reagierte sofort auf das zusätzliche Licht.

Er ließ den Sender los, schob zwei Finger über die Wasserlinie und deutete erst auf das Kabel, dann in Richtung meines Bootes.

Anschließend formte er mit der Hand eine langsame, kreisende Bewegung.

Bei unserer gemeinsamen Übung hatte dieses Zeichen bedeutet, dass eine Leitung nicht durchtrennt werden durfte, bevor die angeschlossene Quelle abgeschaltet war.

Wenn er das Kabel einfach kappte, konnte er etwas auslösen.

„Nicht schneiden“, sagte ich über Funk. „Er verlangt, dass wir zuerst die Quelle trennen.“

„Woher wollen Sie das wissen?“

„Weil ich dieses Zeichen kenne.“

„Und ich kenne die Vorschrift“, entgegnete der Kommandant. „Sie bleiben außerhalb der Pontons.“

Das Spiegelboot begann plötzlich, seinen Kurs zu glätten.

Ich hatte keine neue Ruderbewegung gemacht.

Es folgte mir nicht mehr vollkommen.

Jemand oder etwas hatte bemerkt, dass ich die beiden Fahrzeuge von der Brücke wegführte, und griff in ihre Steuerung ein.

Der Schatten drehte zuerst zurück.

Sein Bug zeigte wieder auf die Pontonbrücke.

„Das zweite Fahrzeug löst sich“, meldete ich.

Der Kommandant gab den Uferstellungen den Befehl, das hintere Boot zu erfassen, doch auf dem Führungsnetz sprangen alle drei Zielmarkierungen erneut übereinander.

Die Geschütze konnten das abweichende Fahrzeug sehen, aber ihre automatische Freigabe unterschied es nicht von mir.

Der Angriff nutzte nicht nur gefälschte Kennungen.

Er zwang unsere eigenen Systeme, jede Entscheidung zu verzögern, bis keine sichere Entscheidung mehr möglich war.

Ich brachte mein Patrouillenboot zwischen den Schatten und die Brücke.

Sofort korrigierte das Spiegelboot ebenfalls seinen Kurs, während der Schatten weiter auf die Pontons zuhielt.

Damit war die Reihenfolge umgekehrt.

Der Schatten empfing nun einen eigenen Befehl.

Der Spiegel blieb an mich gebunden, um mich als feindliches Ziel erscheinen zu lassen.

„Ich kann nicht beide blockieren“, sagte ich. „Sie müssen die automatische Zielzuordnung abschalten.“

„Dann verlieren wir die zentrale Koordination.“

„Die zentrale Koordination zeigt Ihnen gerade dreimal dieselbe Position.“

Ich hörte den Kommandanten mit jemandem außerhalb des Funkkanals sprechen.

Die Antwort verstand ich nicht, aber wenige Sekunden später verschwanden die roten Zielrahmen von meiner Anzeige.

Das Führungsnetz war nicht vollständig abgeschaltet worden, doch die automatische Waffenfreigabe war getrennt.

Zum ersten Mal seit meinem Kurswechsel entschieden nicht mehr drei identische Symbole, was als Nächstes geschah.

„Uferstellungen arbeiten optisch“, sagte der Kommandant. „Ihr Boot ist vorläufig als bemannt bestätigt.“

Vorläufig.

Mehr Vertrauen erhielt ich nicht.

Es musste reichen.

Ich steuerte direkt auf den Schatten zu und gab dem Spiegel dadurch eine Bewegung vor, die ihn quer vor meinen eigenen Bug brachte.

Für einen Moment lagen beide unbemannten Boote fast nebeneinander.

Dann nahm ich abrupt den Schub heraus.

Der Spiegel verlangsamte sofort.

Der Schatten behielt seine Geschwindigkeit bei.

Sein Heck kam frei.

Am hinteren Aufbau sah ich eine flache Abdeckung, die bei jeder Vibration leicht hochsprang, und darunter verlief dieselbe Art schwarzes Kabel, die der Taucher unter der Brücke gezeigt hatte.

Die Boote und die Vorrichtung an den Pontons gehörten zusammen.

Doch das Kabel war nicht dick genug, um große Energiemengen zu übertragen.

Es musste Daten führen oder einen einfachen Schaltimpuls weitergeben.

„Das hintere Fahrzeug ist mit der Vorrichtung unter der Brücke gekoppelt“, sagte ich. „Wenn es den Ponton erreicht, sendet es möglicherweise den Auslösebefehl.“

„Können Sie das beweisen?“

„Nein.“

„Dann bleiben Sie zurück.“

Der Schatten war noch weniger als hundert Meter von der Brücke entfernt.

„Dafür ist keine Zeit.“

Ich schob den Fahrhebel bis zum Anschlag nach vorn.

Das Spiegelboot beschleunigte ebenfalls, wurde aber durch seine Position quer zu meiner Fahrtrichtung gezwungen, zunächst einen weiten Bogen zu fahren.

Der Schatten bewegte sich geradeaus.

Mein Bug traf seine Steuerbordseite nicht frontal, sondern schräg hinter der Mitte.

Der Aufprall schleuderte mich gegen die Lehne meines Sitzes, und das Geräusch von reißendem Metall drang selbst durch den Kopfhörer.

Das unbemannte Boot wurde herumgedrückt, schrammte an meiner Bordwand entlang und verlor seine Ausrichtung auf die Brücke.

Sein Antrieb lief weiter.

Es presste sich gegen meinen Rumpf, als wolle es sich an mir vorbeischieben.

Am Ufer rief jemand, ich solle Abstand herstellen.

Ich konnte nicht.

Wenn ich zurücksetzte, bekam das Fahrzeug freie Bahn.

Wenn ich weiter nach vorn drückte, riskierte ich, mein eigenes Boot in den Bereich unter den Pontons zu schieben.

Unter dem Suchscheinwerfer erschien der Taucher erneut und schlug mit der Faust gegen die Metallstrebe.

Drei Schläge.

Pause.

Zwei.

Danach deutete er nicht mehr auf das Kabel.

Er zeigte auf den Schatten, dann schloss er die Hand.

Abschalten.

Das hintere unbemannte Boot war nicht nur der Empfänger.

Es war die Quelle, die die Vorrichtung unter der Brücke versorgte.

„Schalten Sie das hintere Fahrzeug aus“, sagte ich.

„Sie liegen direkt daneben.“

„Sein Antrieb drückt es gegen meinen Rumpf. Ein Schuss auf die Wasserlinie würde auch mich treffen.“

„Dann lösen Sie sich.“

„Ich halte es gerade von der Brücke fern.“

Der Kommandant schwieg.

An der Bordwand vibrierte Metall gegen Metall, während der Schatten versuchte, seinen ursprünglichen Kurs wieder aufzunehmen.

Das Spiegelboot hatte inzwischen seinen Bogen beendet und kam von achtern auf uns zu.

Es kopierte noch immer meine letzten Steuerbefehle, doch weil mein Boot seitlich gegen den Schatten gedrückt wurde, führte dieselbe Ruderstellung es direkt in unsere Richtung.

Noch wenige Sekunden, dann würde es uns treffen.

Ich sah auf die gesicherte Waffenstation.

Das System ließ sich nicht einfach wieder aktivieren, solange meine Kennung im Netz ungeklärt war.

Aber die Waffenstation war nicht das Einzige an Bord, das sich fernbedienen ließ.

Der Suchscheinwerfer saß auf einem eigenen drehbaren Sockel.

Ich schwenkte ihn vom Ponton weg und richtete ihn direkt auf die Kamera des herannahenden Spiegelbootes.

Sein Kurs schwankte.

Zum ersten Mal reagierte es nicht auf meine Bewegung, sondern auf etwas in seiner eigenen Umgebung.

Es nutzte nicht ausschließlich die kopierten Steuerdaten.

Es besaß eine optische Sicherung, die einen Zusammenstoß verhindern sollte.

Ich führte den Lichtkegel langsam nach Backbord.

Das unbemannte Boot wich dem hellen Punkt aus.

Ich zog den Strahl weiter.

Es folgte der freien dunklen Wasserfläche neben dem Licht und drehte von uns weg.

Der Kommandant hatte die Kursänderung gesehen.

„Uferbeobachtung bestätigt optische Reaktion“, sagte er.

„Dann halten Sie den Scheinwerfer vom Westufer auf seine rechte Seite“, antwortete ich. „Drängen Sie es zur leeren Fahrrinne.“

„Unsere Scheinwerfer sind nicht für eine Zielsteuerung vorgesehen.“

„Heute schon.“

Der erste Lichtkegel vom Ufer traf das Wasser neben dem Spiegelboot.

Ein zweiter folgte.

Das Fahrzeug wich aus, genau wie ich erwartet hatte, und fuhr zwischen den beiden hellen Flächen hindurch vom Übergang weg.

Nun blieb nur noch der Schatten an meiner Bordwand.

Der Taucher unter der Brücke zog erneut an dem schwarzen Kabel.

Dieses Mal bewegte es sich.

Nur wenige Zentimeter, aber genug, um zu zeigen, dass die Spannung nachgelassen hatte.

Meine Kollision musste eine Verbindung am unbemannten Boot beschädigt haben.

„Er kann die Leitung lösen“, sagte ich. „Aber noch nicht vollständig.“

„Was brauchen Sie?“

Es war das erste Mal, dass der Kommandant nicht nach einem Beweis fragte.

Er fragte nach einer Handlung.

„Der Antrieb des Fahrzeugs muss ausfallen.“

„Ihre Position verhindert einen sicheren Schuss.“

Ich blickte auf die schwimmenden Fender entlang meiner Bordwand und auf die beschädigte Abdeckung am Heck des Schattens.

Zwischen beiden Rümpfen lag kaum mehr als ein halber Meter.

Das Kabel unter der Abdeckung war jetzt sichtbar.

Ich konnte das Boot nicht versenken, ohne mich selbst zu gefährden.

Aber ich musste nur verhindern, dass sein Antrieb weiterlief.

Ich legte das Ruder vollständig nach Steuerbord und gab für einen einzigen Moment Rückwärtsschub.

Mein Heck zog vom unbemannten Boot weg, während der Bug noch dagegen drückte.

Der Schatten drehte sich quer.

Sein Heck lag nun frei zum Ufer.

„Jetzt“, sagte ich.

Ein einzelner Schuss traf den freiliegenden Antriebsbereich.

Der Motor verstummte.

Das unbemannte Boot blieb an meiner Bordwand hängen, wurde aber nicht mehr gegen die Brücke gedrückt.

Gleichzeitig erlosch das gefälschte Rettungssignal in meinem Kopfhörer.

Unter den Pontons riss der Taucher das schwarze Kabel aus seiner Halterung.

Er ließ es in die Strömung fallen und schob sich mit beiden Armen zwischen den Verbindungselementen hervor.

Seine Bewegung war langsam und ungleichmäßig.

Eine Leine hing an seinem Bein.

Sie war um eine Metallstrebe geschlungen und führte zu einer kleinen Vorrichtung, die unterhalb der Wasserlinie am Ponton befestigt war.

Er hatte das Kabel nicht nur untersucht.

Er hatte sich selbst daran gesichert, damit die Strömung ihn nicht forttrug, während er versuchte, die Weiterleitung zu lösen.

Als das unbemannte Boot die Leistung verlor, öffnete sich an der Vorrichtung eine Klemme.

Die Leine wurde frei.

Der Taucher tauchte auf, holte einmal tief Luft und hielt den echten Notsender über den Kopf.

„Person im Wasser bestätigt“, meldete die Uferbeobachtung.

Der Kommandant befahl nicht mehr, mich zu stoppen.

Er ließ ein Sicherungsboot zur Bergung auslaufen und gab gleichzeitig die westliche Seite der Pontonbrücke für die vordersten Krankenwagen frei.

Die Motoren auf dem Übergang heulten nacheinander auf.

Fahrzeug für Fahrzeug rollte über die schwimmenden Segmente, langsam genug, dass die Brücke nicht unnötig schwankte, aber ohne den vorherigen Stillstand.

Der erste Krankenwagen passierte die Stelle, unter der der Taucher festgehangen hatte, während er wenige Meter entfernt aus dem Wasser gezogen wurde.

Das Spiegelboot trieb inzwischen in der leeren Fahrrinne.

Die Scheinwerfer hielten es von der Brücke weg, bis ein zweites Sicherungsfahrzeug seine Steuerung blockieren konnte.

Niemand feuerte erneut.

Niemand musste raten, welches der drei identischen Symbole das echte Patrouillenboot darstellte, denn die automatische Darstellung blieb ausgeschaltet.

Als der Taucher an Bord des Sicherungsbootes lag, deutete er nicht auf seine Verletzung und auch nicht auf die Brücke.

Er zeigte auf mein Boot und verlangte, zu mir gebracht zu werden.

Der Kommandant lehnte zunächst ab, doch der Taucher griff nach dem Funkgerät des Sicherungsbootes.

„Die Kopie sitzt nicht nur in den Fahrzeugen“, sagte er mit hörbar angestrengter Stimme. „Die Brückenweiterleitung hat das Führungsnetz mit Daten aus dem Patrouillenkanal gespeist.“

„Wie lange?“ fragte der Kommandant.

„Mindestens seit ich die Vorrichtung gefunden habe.“

„Warum haben Sie den Notsender aktiviert?“

„Weil die Weiterleitung jede normale Meldung verändert hat.“

Er musste mehrmals Luft holen, bevor er weitersprechen konnte.

Während einer Kontrolle unter der Brücke hatte er die zusätzliche Leitung entdeckt.

Als er versuchte, sie zu verfolgen, war die Klemme an seiner Sicherungsleine geschlossen worden und hatte ihn unter dem Ponton festgehalten.

Sein regulärer Funkkanal sendete nur noch verstümmelte Meldungen.

Der Notsender arbeitete auf einem getrennten, einfachen Signalweg.

Also hatte er die Folge ausgelöst, die nur unsere eigene Einheit in ihrer veränderten Form kannte.

Die Vorrichtung unter der Brücke fing das Signal ab und leitete es an das vordere unbemannte Boot weiter.

Die Angreifer wollten, dass wir glaubten, der Taucher befinde sich auf dem Fahrzeug.

Sie hatten jedoch nicht gewusst, dass die Pause in seiner Tonfolge länger sein musste.

„Warum war die erste Pause zu kurz?“ fragte der Kommandant.

„Weil die Weiterleitung die Folge automatisch komprimiert hat“, sagte der Taucher. „Als ich den Sender später über die Wasserlinie halten konnte, kam das echte Signal direkt durch.“

Damit erklärte sich, weshalb der Rettungsimpuls zunächst falsch und später richtig geklungen hatte.

Es erklärte auch, warum die Richtungsanzeige stärker zur Brücke gezeigt hatte, obwohl das unbemannte Boot abdriftete.

Doch eine Frage blieb offen.

Wie hatten die Fahrzeuge meine Bewegungen so schnell kopiert?

Der Taucher verlangte, die Abdeckung am Heck des stillgelegten Schattens nicht zu öffnen, bevor die Verbindung zum Führungsnetz vollständig getrennt war.

Unter der Abdeckung lag kein gewöhnlicher Empfänger.

Dort befand sich ein Modul, das die Kursdaten aus dem manipulierten Brückenrelais las, noch bevor sie auf meiner eigenen Anzeige verarbeitet wurden.

Es sah nicht durch meine Augen und erriet nicht meine Entscheidungen.

Es erhielt dieselben Befehle wie mein Boot, nur wenige Augenblicke früher als die übrigen Stellen im Netz.

Deshalb hatten die Eindringlinge reagiert, bevor meine Heckwelle sichtbar geworden war.

Sie kopierten nicht meine Bewegungen.

Sie kopierten meine Befehle.

Der Kommandant ließ daraufhin sämtliche automatischen Kennungen im Abschnitt sperren und ordnete an, dass jedes Wasserfahrzeug bis zur vollständigen Prüfung nur noch optisch und per direkter Funkabfrage bestätigt wurde.

Die Maßnahme verlangsamte den Verkehr, doch sie verhinderte, dass ein weiteres gefälschtes Symbol eine Waffenentscheidung auslöste.

Mein Patrouillenboot wurde an das Westufer begleitet.

Der Zusammenstoß hatte die Bordwand eingedrückt, einen Fender abgerissen und die Halterung des Suchscheinwerfers verzogen.

Die Waffenstation blieb gesichert.

Erst als ich den Motor abgestellt hatte, verschwand die feindliche Einstufung endgültig von meiner Anzeige.

Der rote Rahmen erlosch ohne Kommentar.

Kein Signal erklärte, dass das System sich geirrt hatte.

Es zeigte mich einfach nicht mehr als Ziel an.

Der Brückenkommandant kam später selbst an den Anleger.

Er trug den Kopfhörer noch um den Hals und hielt ein ausgedrucktes Lagebild in der Hand, auf dem drei Markierungen exakt übereinanderlagen.

„Nach diesem Bild hätte ich Ihren Kurs als Angriff bewerten müssen“, sagte er.

„Nach dem Wasserbild nicht.“

Er sah zu meinem beschädigten Bug und anschließend zu den Krankenwagen, die noch immer in regelmäßigen Abständen über die Brücke fuhren.

„Ich habe die Feuerfreigabe vorbereitet.“

„Das weiß ich.“

„Noch ein paar Sekunden, und ich hätte sie erteilt.“

Er versuchte nicht, seine Entscheidung mit dem Netz, den Vorschriften oder der unklaren Lage zu entschuldigen.

Das machte seine Worte schwerer, nicht leichter.

„Sie haben sie nicht erteilt“, sagte ich.

„Weil Sie mich gezwungen haben, aus dem Fenster zu sehen.“

Der Taucher wurde wenig später vom Sicherungsboot an Land gebracht.

Sein Bein war dort verletzt, wo die Leine es gegen die Strebe gezogen hatte, doch er konnte mit Unterstützung stehen.

Bevor die Sanitäter ihn in eines der inzwischen zurückgekehrten Fahrzeuge brachten, kam er zu meinem Boot.

In seiner behandschuhten Hand hielt er noch immer den Notsender.

Das Gehäuse war zerkratzt, und an einer Ecke hing ein Stück schwarzes Kabel.

Er legte den Sender auf die eingedrückte Bordwand und drückte die Taste.

Drei kurze Töne erklangen.

Dann kam die lange Pause.

Er wartete, bis sie vollständig verstrichen war.

Erst danach folgten die letzten beiden Töne.

„So muss es klingen“, sagte er.

Der Brückenkommandant stand wenige Schritte entfernt und hörte ebenfalls zu.

Diesmal erschien auf keiner Anzeige ein zweites Boot.

Keine Zielmarkierung sprang über den Bildschirm.

Kein Geschütz drehte sich.

Auf dem Rhein lag nur mein beschädigtes Patrouillenboot, während hinter uns der nächste Krankenwagen die Pontonbrücke verließ.

Der Taucher nahm den Sender wieder an sich, klopfte dreimal gegen den Rumpf, wartete in derselben langen Pause und fügte zwei weitere Schläge hinzu.

Dann ließ er sich von den Sanitätern wegführen.

Ich blieb neben der Stelle stehen, an der das unbemannte Boot meinen Bug getroffen hatte.

Zwischen den Kratzern steckte ein kurzes Stück seines schwarzen Kabels.

Am Anfang hatte dieses Kabel drei Boote zu einem einzigen falschen Ziel gemacht.

Jetzt lag es getrennt und reglos in meiner Hand, während auf dem Wasser jedes Fahrzeug wieder nur den Platz einnahm, an dem es sich tatsächlich befand.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *