Ich nahm ihm den Karabiner nicht weg, sondern drückte seine Faust zurück an die Brust und befahl dem vordersten Rekruten, sich flach nach links zu der niedrigen Felsrippe zu schieben, die nur wenige Meter entfernt aus dem Schnee ragte.
Jede Bewegung lief durch die gespannte Leine bis in meinen Gurt, doch sobald der erste Mann den Fels erreichte und seine Sicherungsschlinge darumlegen konnte, verteilte sich die Last ein wenig, sodass der nächste Rekrut folgen konnte, während der Bergführer weiter gegen den Metallanker klopfte.
Drei Schläge, eine Pause, zwei Schläge.

Die Antwort aus dem verschütteten Fahrzeug wurde schwächer, aber sie blieb regelmäßig, und während der Hubschrauber im Funk die letzte Minute ankündigte, krochen die elf Männer einzeln von der Abbruchkante weg, bis der hinterste Rekrut die Felsrippe erreichte und mir zurief, dass die Gruppe gesichert sei.
Der Hubschrauber verschwand vor der heranziehenden Wolkenwand, ohne landen zu können, und plötzlich gab es über dem Hang nur noch den Wind, das angestrengte Atmen des Bergführers und dieses gedämpfte Klopfen unter einer Schneemasse, deren Oberfläche sich bei jedem Schritt neu setzte.
Der Bergführer zeigte auf die Stelle unterhalb von uns und erklärte, dass das Kettenfahrzeug am Dach einen kräftigen Bügel neben der Notluke besaß; der letzte Karabiner sollte nicht das Fahrzeug halten, sondern aus dem brauchbaren Ende unserer gerissenen Leine und diesem Bügel einen Umlenkpunkt machen, über den wir einen Menschen aus der schrägen Öffnung ziehen konnten.
Als wir die Luke nach fieberhaftem Graben endlich freilegten und einen schmalen Spalt öffneten, erschien nicht sofort sein Sohn, sondern dessen blutverschmierte Hand, die den reglosen zweiten Soldaten nach oben schob, während aus der Dunkelheit eine heisere Stimme kam: „Er zuerst.“
Damit hatte sich alles verändert, denn bis zu diesem Moment war ich davon ausgegangen, dass der Sohn des Bergführers derjenige war, dessen Kräfte nachließen.
Nun begriff ich, dass er im Inneren nicht nur um seinen eigenen Atem kämpfte, sondern den anderen Soldaten stützte, dessen Oberkörper zwischen einem verbogenen Sitzrahmen und der Seitenwand eingeklemmt war.
Der Bergführer wollte wieder vorwärtskriechen, doch sein Körper gehorchte ihm kaum noch, und als er versuchte, das rechte Knie unter sich zu ziehen, sackte seine Hüfte so abrupt weg, dass seine Stirn in den Schnee schlug.
„Du bleibst hier“, sagte ich und legte seine Hand an die Leine, damit er wenigstens spüren konnte, was wir taten.
Er widersprach nicht mehr, aber er begann erneut zu klopfen, diesmal nicht gegen den Anker, sondern mit dem Pickelgriff gegen den gespannten Karabiner, den wir inzwischen am freigelegten Dachbügel befestigt hatten.
Das Metall leitete den Rhythmus durch den Fahrzeugrahmen.
Drei Schläge, eine Pause, zwei Schläge.
Aus dem Inneren kamen zuerst drei matte Antworten, dann lange nichts, und schließlich zwei einzelne Schläge, so zaghaft, dass ich sie eher in den Fingerspitzen an der Leine fühlte, als dass ich sie hörte.
Zwei Rekruten lagen neben mir und räumten den Schnee mit kurzen, kontrollierten Bewegungen von der Luke weg, während ich versuchte, durch den Spalt zu erkennen, wo der zweite Soldat festhing, ohne zusätzlichen Druck auf das schräg im Hang verkeilte Fahrzeug auszuüben.
Der Sohn hatte seinen eigenen Schultergurt gelöst und um den Oberkörper seines Kameraden gelegt, doch der verbogene Sitzrahmen klemmte dessen linkes Bein ein, und jedes Mal, wenn wir zogen, rutschte Schnee in den Innenraum und nahm ihnen noch mehr Platz zum Atmen.
„Nicht weiterziehen“, rief der Sohn, bevor wir die Leine erneut spannen konnten. „Der Sitz schneidet ihm sonst das Bein ab.“
Der Bergführer schloss die Augen, als würde allein dieser Satz den Schmerz in seinem Becken für einen Moment verdrängen, und fragte seinen Sohn nicht, ob er selbst verletzt sei, sondern wie viel Spiel der Rahmen noch habe.
„Zwei Finger“, kam die Antwort.
Es war dieselbe Maßeinheit, mit der ich zuvor die Bewegung des Ankers beschrieben hatte, und plötzlich schien der gesamte Hang nur noch aus winzigen Abständen zu bestehen, von denen jeder über zwölf oder dreizehn Leben entscheiden konnte.
Einer der Rekruten reichte mir den Pickel des Bergführers, und ich schob dessen flache Seite durch den Lukenspalt, bis der Sohn meine Hand führen konnte und die Spitze unter den verbogenen Sitzrahmen gelangte.
Wir durften den Rahmen nicht mit Gewalt aufbrechen, denn die Fahrzeugwand trug einen Teil seines Gewichts, aber wir konnten ihn vielleicht gerade weit genug anheben, dass der eingeklemmte Stiefel hindurchpasste.
„Auf mein Klopfen“, sagte der Bergführer.
Er schlug dreimal gegen den Karabiner.
Beim ersten Schlag stemmte ich den Pickel nach unten, beim zweiten zog der Sohn den Gurt seines Kameraden straff, und beim dritten zogen die beiden Rekruten an der Leine, die durch den Karabiner am Dachbügel lief.
Der Rahmen bewegte sich kaum sichtbar.
Dann ertönte aus dem Fahrzeug ein einzelner Schrei, und der zweite Soldat rutschte so plötzlich nach oben, dass sein Helm gegen den Rand der Luke schlug und einer der Rekruten rückwärts in den Schnee fiel.
Wir bekamen beide Hände unter seine Schultern und zogen ihn vollständig heraus, während sein linkes Bein reglos hinter ihm herschleifte und der Sohn von unten weiter gegen seine Stiefel drückte.
Sobald der Verletzte auf dem Schnee lag, öffnete er die Augen, aber statt nach Luft zu fragen, hob er zwei Finger und klopfte damit zweimal gegen seine Brustplatte.
Der Bergführer starrte ihn an.
„Die letzten beiden Schläge“, flüsterte der Soldat. „Die kamen von mir.“
Mehr brachte er nicht heraus, bevor die Rekruten ihn zur Felsrippe zogen und mit ihren Jacken gegen den Wind abschirmten.
Ich sah wieder in die Luke und erkannte nun den Sohn des Bergführers, dessen Gesicht von Staub, Schmelzwasser und einer dunklen Spur an der Schläfe bedeckt war, während sein rechter Arm in einem unnatürlichen Winkel dicht am Körper lag.
„Jetzt du“, sagte ich.
Er schüttelte den Kopf und zeigte hinter sich.
Zunächst glaubte ich, dort müsse noch jemand sein, obwohl wir sicher wussten, dass nur zwei Soldaten im Fahrzeug gesessen hatten, doch dann erkannte ich, was er meinte: Durch einen Riss im hinteren Teil der Kabine drang feiner Schnee, der bei jeder Erschütterung stärker in den Innenraum rieselte.
Wenn er sich sofort zur Luke hochzog, würde sein Gewicht den beschädigten Sitz lösen, der im Moment einen Teil der Schneemasse abstützte, und der hintere Bereich könnte zusammenbrechen, bevor er seine Beine darunter hervorgezogen hatte.
Der Bergführer fragte, ob sein Sohn den linken Fuß bewegen könne.
„Ja.“
„Den rechten?“
Es folgte eine Pause.
„Noch.“
Der Bergführer drehte den Kopf zu mir und sagte mit einer Ruhe, die nicht zu seinem grauen Gesicht passte, dass wir die Leine nicht an den Sohn selbst hängen dürften, solange der Sitz noch festsaß, weil ein kräftiger Zug seine Hüfte gegen die Kante der Luke schlagen würde.
Stattdessen sollten wir aus der Leine eine breite Schlaufe machen, sie unter beiden Armen durchführen und nur so viel Spannung aufnehmen, dass er beim Nachgeben des Sitzes nicht in das Fahrzeug zurückstürzte.
Der letzte Karabiner war dafür unser einziger brauchbarer Umlenkpunkt.
Sein Schnapper lag durch den schrägen Zug bereits hart am Dachbügel an, und ich sah eine feine Kerbe im Metall, wo die Kante des Bügels darauf drückte.
Er war nicht dafür gedacht, ein Fahrzeug zu halten, und das musste er auch nicht, doch in den nächsten Minuten würde an ihm das Gewicht eines erschöpften Mannes hängen, während wir auf instabilem Untergrund aus einem viel zu engen Winkel zogen.
Der Sohn schob den unverletzten Arm durch die Schlaufe, dann drehte er sich mühsam, damit ich die Leine unter seiner zweiten Schulter hindurchführen konnte.
Dabei bewegte sich der beschädigte Sitz.
Nicht mehr als einen Fingerbreit.
Doch sofort sank die Schneedecke hinter ihm ab, und ein dumpfes Grollen wanderte durch das Fahrzeug, als würde unter dem Hang eine schwere Tür geschlossen.
„Raus da!“, rief einer der Rekruten.
Der Sohn stieß sich ab, aber sein rechter Stiefel blieb hängen, und die gespannte Schlaufe riss ihn mit der Brust gegen den Rand der Luke.
Der Karabiner schlug gegen den Dachbügel, drehte sich quer und klemmte in einer Stellung fest, in der der Zug nicht mehr sauber über seine Längsachse lief.
Ich nahm die Spannung sofort zurück, doch der Sohn hing bereits halb außerhalb des Fahrzeugs, sein linker Arm über der Schneedecke, der restliche Körper im dunklen Spalt, während unter ihm der Sitz langsam nach hinten kippte.
Der Bergführer versuchte aufzustehen.
Sein Becken ließ es nicht zu.
Er kam nur auf einen Ellbogen, zog sich mit der freien Hand über den Schnee und erreichte den Pickel, den ich neben der Luke abgelegt hatte.
„Lass ihn los“, sagte er.
Für einen Moment glaubte ich, der Schmerz habe ihm den Verstand genommen.
Dann zeigte er nicht auf seinen Sohn, sondern auf das lose Ende der Leine in meiner Hand.
„Nimm die Spannung weg, sonst zieht sich die Schlaufe unter seine Achsel und blockiert ihn.“
Wenn ich vollständig nachgab, konnte der Sohn zurück in das Fahrzeug stürzen, aber wenn ich weiterzog, würde sein verletzter Arm zwischen Leine und Lukenkante eingeklemmt.
Der Bergführer sah die Entscheidung in meinem Gesicht und schlug einmal mit dem Pickel gegen den Karabiner.
Sein Sohn antwortete aus dem Spalt mit einem einzigen Schlag gegen das Fahrzeugdach.
Es war kein Teil des alten Rhythmus.
Es war eine Absprache, die Vater und Sohn in diesem Augenblick erfanden.
Ich ließ die Leine kontrolliert durch meine Handschuhe laufen.
Der Sohn sank einige Zentimeter zurück, löste die Schulter aus der straffen Schlaufe und drehte sich auf die linke Seite, während der Bergführer den Pickel durch den Dachbügel schob und den Schaft quer verkeilte, sodass die Leine nicht vollständig in den Spalt rutschen konnte.
„Jetzt das Bein“, sagte der Bergführer.
Sein Sohn tastete mit dem freien Fuß nach dem festsitzenden Stiefel, doch der Sitz gab weiter nach und presste sein rechtes Knie gegen die Fahrzeugwand.
Einer der Rekruten wollte in die Luke greifen, aber der Bergführer stoppte ihn, weil zusätzliches Gewicht am Dachrand die Schneebrücke darüber brechen konnte.
Stattdessen ließ er sich den Zustand des Sitzes beschreiben, Stück für Stück, als würde er eine Route durch unsichtbares Gelände planen.
Sein Sohn erklärte, dass der Stiefel nicht unter Metall eingeklemmt war, sondern zwischen dem Sitzgestell und einer losgerissenen Tasche steckte, deren Gurt sich um den Knöchel gewickelt hatte.
Wir mussten nichts aufbiegen.
Wir mussten den Gurt durchtrennen.
Das Messer am Gurt des Sohnes lag auf der falschen Körperseite, und mit dem verletzten Arm konnte er es nicht erreichen, also zog ich mein eigenes kurzes Rettungsmesser, öffnete es und schob es mit dem Griff voran über den Schnee in die Luke.
Er bekam die Finger darum, verschwand für einen Moment vollständig unter dem Dachrand und arbeitete blind an seinem Knöchel, während die Leine über den quer belasteten Karabiner lief und bei jeder seiner Bewegungen leise knirschte.
Dann brach oberhalb von uns ein Stück der Schneedecke ab.
Es war keine zweite große Lawine, sondern nur eine flache Platte, doch sie traf die Rückseite des Fahrzeugs, drückte Schnee durch den Riss und ließ die gesamte Kabine einige Zentimeter tiefer in ihre Mulde sinken.
Der Karabiner ruckte gegen den Dachbügel.
Der Schnapper sprang einen Spalt auf.
Der Bergführer sah es gleichzeitig mit mir.
Er konnte nicht zu seinem Sohn gelangen, und er konnte den Karabiner nicht mit beiden Händen entlasten, aber er schob den Pickel tiefer durch den Dachbügel, legte den Unterarm auf den Schaft und belastete damit sein zertrümmertes Becken so stark, dass sein Schrei über den ganzen Hang ging.
Der Pickel übernahm einen Teil der seitlichen Spannung.
„Zieh“, presste er hervor.
Ich zog nicht sofort, denn aus der Luke kam kein Zeichen.
Dann hörte ich drei Schläge.
Eine Pause.
Zwei Schläge.
Der Sohn hatte den Gurt durchtrennt.
Die beiden Rekruten nahmen die Leine auf, ich griff unter die linke Schulter des Soldaten, und gemeinsam zogen wir, während der Bergführer den Pickel im Dachbügel hielt und mit seinem eigenen Körper verhinderte, dass der quer stehende Karabiner vollständig aufsprang.
Der Sohn kam nicht schnell heraus.
Er bewegte sich in kurzen Rucken, erst bis zur Brust, dann bis zur Hüfte, wobei sein verletzter Arm kraftlos über den Schnee schleifte und sein rechter Stiefel noch einmal an der Lukenkante hängen blieb.
Als ich sein Bein endlich freibekam, sank der Sitz im Inneren zusammen, und eine schwere Ladung Schnee füllte den Platz, an dem sein Oberkörper nur Sekunden zuvor gelegen hatte.
Wir rollten ihn von der Luke weg.
Der Bergführer ließ den Pickel los und fiel auf die Seite.
Im selben Augenblick sprang der Karabiner aus seiner verdrehten Stellung, schlug gegen den Dachbügel und blieb geschlossen, aber seine Form war sichtbar verzogen.
Keiner von uns sagte etwas dazu.
Wir zogen Vater und Sohn zur Felsrippe, wo die elf Rekruten inzwischen eine breite Mulde in den Schnee getreten hatten, und legten beide so nebeneinander, dass ihre Schultern sich berührten.
Der Sohn versuchte, den Kopf zu drehen, doch der Bergführer hob nur zwei Finger und klopfte damit gegen den Ärmel seines Sohnes.
Zweimal.
Der Sohn antwortete mit drei schwachen Berührungen auf dem Handrücken seines Vaters.
Erst viel später erfuhr ich, was in dem Fahrzeug geschehen war, nachdem die Lawine es erfasst und auf die Seite gedrückt hatte.
Der Sohn war bei Bewusstsein geblieben, hatte seinen verletzten Kameraden aus dem Sitz gezogen und in die kleine Lufttasche unter dem schrägen Dach gebracht, doch er wusste nicht, wie tief sie verschüttet waren oder ob außerhalb des Fahrzeugs überhaupt jemand überlebt hatte.
Dann hatte er durch die Karosserie ein fernes metallisches Geräusch gehört.
Drei Schläge, eine Pause, zwei Schläge.
Das Zeichen stammte aus seiner Kindheit, aus Nächten, in denen Wind an den Fensterläden gerüttelt hatte und er zu stolz gewesen war, nach seinem Vater zu rufen.
Damals hatte er mit den Fingerknöcheln dreimal gegen den Heizkörper geschlagen, kurz gewartet und zweimal nachgesetzt.
Sein Vater hatte aus dem Nebenzimmer im gleichen Rhythmus geantwortet, nicht um zu versprechen, dass jede Gefahr verschwinden würde, sondern um ihm zu zeigen, dass jemand wach war und ihn gehört hatte.
Im Fahrzeug hatte der Sohn die ersten drei Schläge gegen das Armaturenbrett geklopft.
Sein Kamerad, dessen Bein bereits eingeklemmt war, hatte nach der Pause die letzten beiden Schläge gegen den Sitzrahmen gesetzt.
So hatten sie sich die Arbeit geteilt, weil keiner von ihnen allein noch genug Kraft für den vollständigen Rhythmus besaß.
Als die beiden Schläge schwächer wurden, lag das nicht daran, dass der Sohn aufgeben wollte.
Es bedeutete, dass der zweite Soldat das Bewusstsein verlor.
Deshalb hatte der Sohn darauf bestanden, ihn zuerst aus der Luke zu schieben.
Der Bergführer hatte geglaubt, sein Sohn werde aufhören zu klopfen, wenn er keine Antwort mehr erhielt, weil er dann die Hoffnung verlor.
Sein Sohn erklärte ihm später, dass das Gegenteil der Fall gewesen sei.
„Ich habe nicht geklopft, damit du zu mir kommst“, sagte er. „Ich wusste, dass du bei der Gruppe bleiben musstest.“
Der Bergführer fragte, warum er dann immer wieder das alte Zeichen benutzt hatte.
„Damit ich wusste, dass du dort bleibst“, antwortete sein Sohn. „Solange du zurückgeklopft hast, wusste ich, dass du nicht versuchst, allein zu uns zu kriechen.“
Diese Erklärung traf den Bergführer härter als jede Anschuldigung, denn während er überzeugt gewesen war, sein verletzter Sohn rufe nach ihm, hatte der Sohn den Rhythmus benutzt, um ihn bei den elf Menschen zu halten, die ohne sein Gewicht am Anker hätten abstürzen können.
Die Wolken öffneten sich erst wieder, nachdem wir die Verletzten hinter der Felsrippe geschützt und mit allem zugedeckt hatten, was die Gruppe entbehren konnte.
Der Hubschrauber kehrte zurück und nahm zunächst den bewusstlosen Soldaten mit, danach den Bergführer und seinen Sohn, während die Rekruten auf dem gesicherten Abschnitt blieben, bis der Hang auf einer weniger gefährlichen Route verlassen werden konnte.
Der zweite Soldat behielt sein Bein, obwohl eine lange Behandlung vor ihm lag.
Der Sohn hatte einen gebrochenen Arm, mehrere Verletzungen an Schulter und Rippen sowie Erfrierungen an den Fingern, konnte aber schon wenige Tage später wieder mit der linken Hand gegen das Bettgestell klopfen.
Beim Bergführer war die Verletzung des Beckens schwerer, als er oben am Hang zugegeben hatte, und niemand verstand zunächst, wie er sich damit überhaupt noch am Anker hatte halten oder den Pickel durch den Dachbügel hatte stemmen können.
Als man ihn danach fragte, sagte er nur, dass er in diesem Moment nicht versucht habe, stärker als der Berg zu sein.
Er habe lediglich verhindert, dass sich ein kleines Stück Metall zur falschen Seite drehte.
Den verbogenen Karabiner nahm später niemand mehr für eine Sicherung her.
Sein Schnapper schloss nicht mehr sauber, und auf einer Seite war eine tiefe Druckstelle zu sehen, wo er quer gegen den Dachbügel geschlagen hatte.
Der Bergführer wollte ihn zunächst wegwerfen, weil beschädigte Ausrüstung am Berg nichts verloren hatte, doch sein Sohn bat ihn, ihn aufzubewahren.
Monate später, als beide wieder ohne fremde Hilfe in derselben Küche sitzen konnten, hing der Karabiner nicht an einem Gurt, sondern an dem alten Heizkörper, gegen den der Sohn als Kind geklopft hatte.
Der Vater bewegte sich noch langsam und stützte sich beim Aufstehen auf den Tisch, während der Sohn seinen rechten Arm vorsichtig trainierte und der gerettete Kamerad gelegentlich zu Besuch kam, weiterhin mit einer Schiene am Bein, aber auf eigenen Füßen.
Sie sprachen selten über den Augenblick, in dem der Hang aufgebrochen war.
Auch die Frage, wer wen gerettet hatte, beantworteten sie nie eindeutig, weil der Vater die elf Rekruten am Anker gehalten, der Sohn seinen Kameraden zuerst hinausgeschoben und die Gruppe anschließend beide aus dem Fahrzeug gezogen hatte.
Eines Abends blieb der Sohn vor dem Heizkörper stehen, nahm den beschädigten Karabiner zwischen zwei Finger und schlug damit dreimal leicht gegen das Metall.
Er wartete.
Sein Vater saß am anderen Ende des Raumes und hätte aufstehen können, doch diesmal tat er es nicht.
Er nahm einen Löffel vom Tisch und antwortete mit zwei ruhigen Schlägen gegen seine Tasse.
Der Sohn nickte, hängte den Karabiner zurück und setzte sich.
Zum ersten Mal bedeutete ihr altes Zeichen nicht mehr, dass einer von ihnen Angst hatte oder gerettet werden musste.
Es bedeutete nur noch, dass beide geblieben waren.