Ich riss den Stecker des Sendeknopfes aus seiner Halterung, ließ den Empfang jedoch eingeschaltet und sah dem Dockoffizier direkt in die Augen.
Er hatte die Matrosen nicht eingesperrt, um sie zu töten.
Er hatte sie versteckt, weil der Mann im Tauchkanal noch immer zuhörte.

„Keine Bewegung hinter der Wartungsklappe“, sagte ich laut und zwang mich, nicht zu den fünf Gesichtern hinter der dicken Scheibe zu sehen.
Die fremde Stimme antwortete sofort.
„Siebenundzwanzig.“
Der Offizier hob zwei Finger, zeigte auf das gespannte Seil unter dem Patrouillenboot und schloss langsam seine Faust.
Spannung halten.
Hinter der Scheibe machte einer der Matrosen dieselbe Bewegung, während ein anderer auf eine schmale Leitung deutete, die seitlich am Tor entlanglief und im dunklen Wasser verschwand.
Da verstand ich, weshalb der Offizier so verzweifelt versucht hatte, das Boot festzuhalten.
Das zweite Seil sollte das Tor nicht öffnen, solange es gespannt war.
Es hielt eine mechanische Sicherung geschlossen.
Wenn ich es vollständig durchschnitt oder das Boot weit genug abtrieb, würde die Sicherung auslösen und die Pumpe hinter dem unteren Tor auf volle Leistung schalten.
Der unbekannte Mann hatte mich nicht vor einer Explosion gewarnt.
Er hatte darauf gewartet, dass ich seine Vorrichtung für ihn aktivierte.
„Vierundzwanzig“, sagte er.
Ich schob mein Messer zurück in die Scheide und zog die Sicherungsleine an meinem Gurt enger, bis das Gewicht des Bootes auf meine Hüfte drückte.
Der Offizier deutete zur Wartungsklappe, dann zu dem im Rumpf eingeschlossenen Matrosen und schließlich auf das manuelle Schließrad.
Er konnte entweder die fünf Männer hinter der Scheibe erreichen oder das Tor halten.
Beides gleichzeitig war unmöglich.
Und sobald wir die Klappe weit genug öffneten, würde jedes Geräusch im Tauchkanal verraten, dass die Besatzung noch lebte.
Ich drückte den Sendeknopf wieder in die Halterung.
„Das Seil ist fast durch“, sagte ich.
Der Offizier erstarrte, bis er begriff, dass ich den Mann belog.
Die Stimme zählte nicht weiter.
Nach einer kurzen Pause sagte sie nur: „Dann entfernen Sie sich vom Tor.“
Ich tat genau das Gegenteil.
Mit beiden Händen zog ich mich an der Sicherungsleine zum Heck des Patrouillenbootes, während der Offizier das lose Ende zweimal um den Poller legte und mit seinem ganzen Körpergewicht dagegenhielt.
Das Boot bebte unter mir, obwohl der Motor ausgeschaltet war.
Unter dem Kiel arbeitete die Strömung in kurzen, brutalen Stößen, und bei jedem Stoß schnitt die Leine tiefer in meinen Gurt.
Aus dem Rumpf kamen wieder drei Schläge.
Diesmal folgte nach einer Pause ein vierter.
Der Matrose wollte nicht nur zeigen, dass er lebte.
Er versuchte, uns einen Rhythmus zu geben.
Drei kurze Schläge, eine Pause, ein langer Schlag.
Der Offizier hörte ebenfalls hin und beantwortete das Signal, indem er mit dem Handballen dreimal gegen den Rumpf schlug.
Von innen kam sofort ein einzelner Schlag zurück.
Der Mann kannte den Plan des Offiziers.
Er war nicht zufällig in diesem Boot eingeschlossen worden.
Ich öffnete eine schmale Wartungsabdeckung am Heck und fand dahinter eine verbogene Metallstange, die durch einen Führungsschlitz nach unten verlief.
Das zweite Seil war nicht einfach an den Rumpf geknotet, sondern durch diese Stange geführt worden.
Solange das Boot korrekt vertäut blieb, hing die Vorrichtung locker.
Erst als ich die Festmacher gelöst hatte, war die Stange nach hinten gezogen worden und hatte die Sicherung am unteren Tor belastet.
Der unbekannte Mann hatte damit gerechnet, dass jeder Retter dasselbe tun würde wie ich.
Ein verlassenes Boot in einem überfluteten Dock musste untersucht werden.
Ein im Rumpf eingeschlossener Mensch musste befreit werden.
Und das Boot musste bewegt werden, bevor man an die untere Luke gelangen konnte.
Die gesamte Szene war so gebaut, dass Hilfe zur Auslösung der Falle wurde.
„Status“, verlangte die Stimme.
Ich legte meinen Unterarm auf die vibrierende Abdeckung und versuchte, meine Atmung gleichmäßig zu halten.
„Das Boot hängt noch fest.“
„Woran?“
„Kann ich nicht erkennen.“
Der Offizier ging langsam zum manuellen Schließrad zurück, ließ dabei aber eine Hand an der Sicherungsleine.
Er zeigte auf die Wartungsklappe und formte lautlos ein Wort.
Druck.
Ich sah zu den fünf Matrosen hinter der Scheibe.
Einer von ihnen hielt seine Handfläche gegen das Glas und senkte sie stufenweise, als würde er einen fallenden Pegel anzeigen.
Die Pumpe auf der anderen Seite zog nicht nur Wasser aus dem Dock.
Sie senkte den Druck in der schmalen Kammer hinter dem unteren Tor.
Wenn die Sicherung auslöste, würde der Unterschied das Tor aufreißen, lange bevor der Mechanismus es kontrolliert öffnen konnte.
Die Männer hinter der Wartungsklappe würden entweder von der Strömung gegen die Innenwand geschleudert oder durch die schmale Öffnung gezogen.
Der Matrose im Rumpf hätte noch weniger Zeit.
„Zwanzig“, sagte die Stimme plötzlich.
Der Countdown hatte wieder begonnen.
Der Offizier riss das Schließrad herum.
Hinter der Scheibe griffen die fünf Matrosen gleichzeitig nach einer Vorrichtung, die ich von außen nicht sehen konnte.
Ein dumpfer Schlag lief durch das Tor, dann bewegte sich die Wartungsklappe um kaum mehr als einen Fingerbreit.
Sofort schoss ein dünner Wasserstrahl durch den Spalt.
Der Offizier ließ das Rad los und drückte beide Hände gegen die Klappe, damit sie nicht weiter aufsprang.
Einer der Matrosen schob etwas durch die Öffnung.
Es war keine Waffe und kein Werkzeugkasten, sondern ein kurzer Metallkeil mit einer eingeritzten Kerbe.
Der Offizier fing ihn auf, warf ihn zu mir und deutete auf die Führungsschiene im Heck.
Ich verstand erst, als ich die Kerbe neben das gespannte Seil hielt.
Der Keil passte genau um die Stange, die der unbekannte Mann mit dem Boot verbunden hatte.
Wenn ich ihn tief genug einschlug, konnte er die Stange blockieren und die mechanische Spannung halten, selbst wenn das Boot weitertrieb.
„Siebzehn.“
Ich setzte den Keil an.
Das Patrouillenboot wurde erneut nach vorn gerissen, und mein erster Schlag mit dem Messergriff traf nur die Kante.
Der Keil sprang aus meiner Hand, rutschte über das nasse Deck und blieb wenige Zentimeter vor dem Wasser liegen.
Der Offizier konnte mir nicht helfen, ohne die Wartungsklappe loszulassen.
Ich warf mich flach auf den Bauch, fing den Keil mit zwei Fingern und zog ihn zurück.
„Fünfzehn.“
Beim zweiten Versuch traf ich die Kerbe.
Der Keil glitt ein Stück in die Führung, doch nicht tief genug.
Aus dem Rumpf ertönten zwei schnelle Schläge.
Ich hielt inne.
Zwei Schläge.
Nicht weiterschlagen.
Der Matrose im Inneren konnte den Mechanismus sehen oder fühlen, den wir von außen nur teilweise erreichten.
Ich legte die Hand auf die Metallstange.
Sie bewegte sich nicht nur nach hinten.
Bei jedem Sog drehte sie sich leicht nach rechts.
Der Keil musste nicht eingeschlagen, sondern während dieser Drehung eingesetzt werden.
„Dreizehn.“
Ich wartete auf den nächsten Ruck.
Das Wasser packte den Bug, die Stange drehte sich, und ich presste den Keil mit beiden Daumen in die frei werdende Lücke.
Er rastete ein.
Im selben Moment wurde die Sicherungsleine an meinem Gurt schlaff.
Der Offizier sah es und zog die Leine sofort vom Poller.
Das Boot glitt einen halben Meter weiter, aber die verborgene Stange blieb in ihrer neuen Position stehen.
Das zweite Seil hielt seine Spannung.
„Zehn“, sagte die Stimme.
Der Offizier legte die Sicherungsleine nicht wieder um den Poller.
Stattdessen befestigte er sie an der Wartungsklappe und zog einmal kräftig daran.
Hinter der Scheibe verstanden die Matrosen das Signal.
Sie gingen in die Hocke, stemmten sich gegen die innere Verriegelung und warteten.
Ich schob mich über das Deck zur Luke des eingeschlossenen Matrosen.
Der äußere Griff ließ sich bewegen, aber die Luke öffnete sich nicht.
Etwas im Inneren drückte dagegen.
„Acht.“
„Die Vorrichtung ist ausgelöst“, sagte ich in den Tauchkanal.
Meine Stimme klang ruhiger, als ich mich fühlte.
„Bestätigen Sie die Öffnung“, antwortete der Mann.
„Das Tor bewegt sich.“
Das war nicht völlig gelogen.
Unter meinen Knien vibrierte der Stahl so stark, dass Wasser aus den Fugen der Wartungsklappe spritzte.
„Sechs.“
Der Offizier hob die Hand.
Ich griff nach der Luke.
Hinter der Scheibe spannten sich fünf Körper gleichzeitig an.
„Fünf.“
Der Offizier ließ die Hand fallen.
Ich zog die Luke nach außen, während der eingeschlossene Matrose von innen dagegenstieß.
Gleichzeitig rissen die fünf Männer an der inneren Verriegelung, und der Offizier zog mit der Sicherungsleine an der Wartungsklappe.
„Vier.“
Die Luke sprang auf.
Ein Arm schoss heraus und packte meinen Gurt.
„Drei.“
Ich zog den Matrosen bis zu den Schultern aus dem Rumpf.
Sein Bein war zwischen einer Sitzhalterung und der Bordwand eingeklemmt.
„Zwei.“
Der Offizier schob den Metallkeil, der die Wartungsklappe offen hielt, mit dem Stiefel tiefer in den Spalt.
„Eins.“
Das Wasser unter dem Patrouillenboot verschwand für einen Herzschlag vollständig aus seiner bisherigen Bewegung.
Dann setzte die Pumpe mit voller Kraft ein.
Das Boot schoss auf das untere Tor zu.
Der Keil in der Führungsschiene hielt die mechanische Stange fest, aber das zweite Seil spannte sich so hart, dass es wie ein angeschlagener Draht durch den Dockraum sang.
Ich konnte den Matrosen nicht aus seiner Halterung lösen, während das Boot beschleunigte.
Also schnitt ich nicht das fremde Seil durch.
Ich öffnete den Verschluss meiner eigenen Sicherungsleine.
Der Gurt wurde frei, und der Ruck schleuderte mich über das Deck gegen die geöffnete Luke.
Mein Gewicht traf die verbogene Sitzhalterung von der Seite.
Das Metall gab nach.
Der Matrose riss sein Bein heraus, und wir rollten gemeinsam über den nassen Rumpf, während der Bug nur noch wenige Meter vom Tor entfernt war.
Der Offizier zog die Wartungsklappe weiter auf.
Die fünf Matrosen kamen nicht heraus.
Stattdessen griffen sie durch den Spalt, packten die Sicherungsleine und zogen sie nach innen.
Dadurch drehte sich die Klappe gegen ihre Scharniere und verkeilte sich quer im Rahmen.
Sie wurde zu einer zweiten Sperre vor dem unteren Tor.
Der Bug des Patrouillenbootes traf nicht die Hauptfläche des Tores, sondern die geöffnete Wartungsklappe.
Metall kreischte, das Heck hob sich aus dem Wasser, und der Matrose neben mir verlor den Halt.
Ich packte ihn am Kragen, bevor er unter die Bordkante rutschte.
Das Boot blieb schräg zwischen Klappe und Laufsteg hängen.
Für einen Augenblick hielt alles.
Dann hörte ich im Tauchkanal kein Zählen mehr, sondern das scharfe Einatmen eines Mannes, dessen Plan nicht funktioniert hatte.
„Was haben Sie getan?“, fragte die Stimme.
Der Offizier drückte den Sendeknopf an seinem Ohrstück.
„Das Tor ist offen“, sagte er.
Wieder war es nur ein Teil der Wahrheit.
Der schmale Spalt reichte aus, um den Druck langsam auszugleichen, doch die verkeilte Klappe verhinderte, dass das Tor vollständig aufgerissen wurde.
Hinter der Scheibe sank einer der Matrosen auf die Knie.
Ein anderer legte beide Hände auf die Leitung, auf die er zuvor gezeigt hatte, und rief etwas, das wir durch das Glas nicht verstanden.
Dann leuchtete hinter ihm eine kleine Kontrollanzeige auf.
Nicht rot, nicht grün, sondern weiß.
Der Offizier sah sie und schloss für einen Moment die Augen.
Er kannte ihre Bedeutung.
„Die Pumpe hat die Endlast erreicht“, sagte er so leise, dass nur ich es hören konnte.
„Wie lange?“
„Bis sie sich selbst abschaltet?“
Er schüttelte den Kopf.
„Bis jemand sie vor Ort zurücksetzen muss.“
Die fremde Stimme schwieg.
Das Schweigen war die Antwort.
Der Mann am anderen Ende des Kanals befand sich nicht irgendwo weit außerhalb des Docks.
Er war nahe genug, um die Pumpe persönlich zu erreichen.
Der Offizier zeigte auf die dicke Scheibe der Wartungskammer.
Hinter den fünf Matrosen verlief ein schmaler Gang, der in der Dunkelheit nach unten führte.
Dort bewegte sich ein Schatten.
Einer der Matrosen bemerkte ihn ebenfalls und drehte sich um.
Sofort hoben alle fünf die Hände vom Mechanismus und traten von der hinteren Tür zurück.
Der Mann im Kanal kam nicht, um ihnen zu helfen.
Er kam, weil seine Pumpe ohne den manuellen Neustart ausfallen würde und seine Vorrichtung danach nicht mehr wie ein Unfall wirken konnte.
„Gehen Sie vom Boot“, befahl er über Funk.
Ich antwortete nicht.
„Das ist ein direkter Befehl.“
Der Dockoffizier blickte zu mir.
Bis zu diesem Moment hatte ich nicht gewusst, ob die Stimme tatsächlich über ihm stand oder nur so sprach, als hätte sie Autorität.
Sein Blick gab mir die Antwort.
Der Offizier kannte den Mann.
Und er hatte ihm lange genug gehorcht, damit dieser Tonfall noch immer Wirkung zeigte.
„Sie haben das untere Tor für die Matrosen geöffnet“, sagte ich leise.
„Ja.“
„Warum?“
„Weil sie die zusätzliche Leitung gefunden hatten.“
Er deutete auf das zweite Seil.
„Sie sollten eine Druckabweichung prüfen. Stattdessen entdeckten sie, dass jemand die Sicherung überbrückt und die Pumpe an einen eigenen Auslöser angeschlossen hatte.“
„Und der Mann im Kanal?“
„Wusste sofort, dass sie es gesehen hatten.“
Hinter der Scheibe bewegte sich der Schatten näher.
Der Offizier sprach weiter, ohne den Blick davon zu lösen.
„Ich öffnete die Wartungskammer, damit fünf von ihnen aus der Hauptströmung kamen. Der sechste blieb im Boot, um die Stange in ihrer neutralen Stellung zu halten.“
Ich sah zu dem verletzten Matrosen neben mir.
Er nickte und legte eine Hand auf die verbogene Führungsschiene.
Solange er im Rumpf saß, hatte sein Körper die innere Halterung gegen die Stange gedrückt.
Als ich das Boot losgemacht hatte, war die Halterung verrutscht und hatte sein Bein eingeklemmt.
Er war nicht vergessen worden.
Er hatte den gefährlichsten Teil des Plans übernommen.
„Die Helme?“, fragte ich.
„Meine Idee“, sagte der Offizier.
„Damit er glaubt, die Strömung hätte sie durch das Tor gezogen?“
„Damit er aufhört, nach ihnen zu suchen.“
„Warum war das Boot dann so sorgfältig vertäut?“
Der Offizier sah mich an.
„Damit jemand, der seine Arbeit kennt, begreift, dass hier niemand in Panik geflohen ist.“
Der Knoten, der mir anfangs widersinnig erschienen war, war keine Nachlässigkeit des Täters gewesen.
Er war die einzige Nachricht, die der Offizier hinterlassen konnte, ohne den abgehörten Kanal zu benutzen.
Ich hatte sie erkannt, aber zu spät verstanden.
Hinter der Scheibe erschien nun der unbekannte Mann im schmalen Gang.
Er trug dunkle Arbeitskleidung und hielt eine Hand an sein Ohrstück, während er mit der anderen nach einem Hebel neben der Pumpe griff.
Sein Gesicht blieb im Schatten, doch seine Bewegungen waren ruhig und zielgerichtet.
Er hatte nicht damit gerechnet, gesehen zu werden.
Die fünf Matrosen standen zwischen ihm und der Wartungsklappe, ohne eine Möglichkeit auszuweichen.
Der Offizier griff wieder nach dem manuellen Schließrad.
„Wenn er den Hebel umlegt, startet die Pumpe erneut“, sagte er.
„Dann halten die Keile nicht.“
„Können die Männer ihn aufhalten?“
„Nicht, ohne den hinteren Gang zu öffnen. Und wenn sie das tun, bekommt er Zugang zum Haupttor.“
Der unbekannte Mann legte die Hand auf den Hebel.
Ich sah auf das Patrouillenboot, das schräg in der Wartungsklappe hing.
Der Bug blockierte den Spalt, das Heck lag noch frei im Wasser, und das fremde Seil verlief weiterhin von der Führungsschiene zum unteren Tor.
Solange der Metallkeil die Stange hielt, konnte der Mann die Pumpe zwar neu starten, aber die Sicherung nicht vollständig lösen.
Er brauchte eine zweite Bewegung.
Er brauchte das Boot weiter vorn.
Deshalb befahl er mir, es zu verlassen.
Nicht zu meinem Schutz.
Er wollte, dass das Gewicht unkontrolliert in die richtige Richtung rutschte.
Ich beugte mich zu dem verletzten Matrosen.
„Kannst du die Stange noch einmal bewegen?“
Er tastete sein Bein ab, verzog das Gesicht und nickte.
„Nur von innen“, sagte er.
„Dann musst du zurück in den Rumpf.“
Der Offizier fuhr herum.
„Nein.“
Der Matrose sah erst ihn, dann mich an.
Er wusste, was ich vorhatte.
Wenn er die Stange in dem Moment löste, in dem der Mann den Neustart auslöste, würde das gespannte Seil nicht das Tor öffnen.
Es würde in die entgegengesetzte Richtung zurückschnellen.
Direkt durch den schmalen Gang, in dem die zusätzliche Pumpensteuerung befestigt war.
Aber der Matrose müsste dafür wieder in den Rumpf steigen, aus dem wir ihn gerade befreit hatten.
„Ich habe ihn dort hineingeschickt“, sagte der Offizier.
Seine Stimme war nun nicht mehr die eines Mannes, der Befehle gab.
„Ich schicke ihn nicht noch einmal.“
Der Matrose griff nach seinem Ärmel.
„Sie schicken mich nicht“, sagte er.
„Ich gehe.“
Der Offizier wollte widersprechen, doch hinter der Scheibe begann der unbekannte Mann, den Hebel nach unten zu drücken.
Wir hatten keine Zeit für einen besseren Plan.
Ich half dem Matrosen zurück durch die Luke, achtete darauf, dass sein verletztes Bein nicht erneut zwischen Sitz und Bordwand geriet, und legte seine Hand auf den inneren Griff der Führungsschiene.
Der Offizier nahm seine Position am Schließrad ein.
Die fünf Männer hinter der Scheibe verteilten sich an der Wartungsklappe und an der inneren Verriegelung.
Ich blieb auf dem Deck und hielt den Metallkeil mit beiden Händen fest.
„Jetzt“, sagte die Stimme im Kanal.
Der Mann im Gang zog den Hebel ganz nach unten.
Die Pumpe sprang wieder an.
Das zweite Seil spannte sich, der Bug rutschte einen weiteren Zentimeter in den Spalt, und der Metallkeil begann aus der Führung zu wandern.
Aus dem Rumpf kam ein Schlag.
Der Matrose war bereit.
Ich antwortete mit zwei Schlägen auf die Abdeckung.
Noch nicht.
Der unbekannte Mann zog an einem zweiten, kleineren Griff neben dem Hebel.
Die zusätzliche Leitung zuckte.
Der Offizier rief den fünf Matrosen hinter der Scheibe etwas zu, das der Mann im Kanal hören konnte.
„Zurück vom Tor!“
Sie gehorchten nicht.
Stattdessen griffen sie gemeinsam nach der Sicherungsleine an der Wartungsklappe.
Der Mann im Gang zog den zweiten Griff bis zum Anschlag.
Ich schlug einmal auf die Abdeckung.
Der Matrose im Rumpf riss die Führungsschiene herum.
Der Metallkeil sprang heraus.
Für einen erschreckenden Moment bewegte sich das Boot genau so, wie der unbekannte Mann es geplant hatte.
Dann schnellte die Stange zurück.
Das zweite Seil verlor seine Spannung, peitschte unter dem Kiel hervor und riss die zusätzliche Pumpenleitung aus ihrer Befestigung.
Hinter der Scheibe schlug der lose Strang gegen den Hebel, wickelte sich darum und zog ihn nach oben.
Die Pumpe verstummte mitten im Lauf.
Gleichzeitig fiel eine schwere Gittertür im hinteren Gang herab.
Der unbekannte Mann wich zurück, doch die Tür schloss sich zwischen ihm und dem Haupttor.
Er war nicht verletzt.
Aber er war auf der anderen Seite seiner eigenen Vorrichtung eingeschlossen.
Die fünf Matrosen zogen die Wartungsklappe weiter auf, während der Offizier das manuelle Schließrad langsam zurückdrehte.
Ohne die Pumpe glich sich der Druck aus.
Die Strömung verlor ihre Kraft, das Patrouillenboot sank vom Tor weg, und der Bug kam mit einem dumpfen Schlag auf dem Wasser auf.
Ich öffnete die Luke erneut.
Der sechste Matrose kroch heraus, diesmal aus eigener Kraft.
Sein Bein zitterte, als er aufstand, doch er blieb stehen.
Hinter der Scheibe legte der eingeschlossene Mann beide Hände an das Gitter und sprach in sein Ohrstück.
Seine Stimme kam noch immer über meinen Empfänger.
„Öffnen Sie diese Tür.“
Der Dockoffizier trat dicht an die Scheibe.
„Der Kanal wird aufgezeichnet“, sagte der Mann.
Der Offizier hob langsam sein eigenes Funkgerät.
„Nein“, antwortete er.
„Der Kanal wird von Ihnen abgehört.“
Dann zog er den Stecker aus seinem Ohrstück.
Die Stimme verstummte.
Zum ersten Mal seit Beginn des Countdowns hörte ich nur Wasser, schweres Atmen und das Knacken von Metall, das sich nach der Belastung wieder setzte.
Die fünf Matrosen kamen nacheinander durch die Wartungsklappe.
Keiner von ihnen sprach, bis alle sechs auf dem Laufsteg standen.
Der Offizier zählte sie nicht laut.
Sein Blick ging nur von einem Gesicht zum nächsten, als müsse er sich vergewissern, dass niemand wieder hinter Glas, unter einem Rumpf oder jenseits eines Tores verschwunden war.
Der verletzte Matrose blieb vor ihm stehen.
„Sie hätten uns sagen müssen, dass der Kanal überwacht wird“, sagte er.
„Ich wusste nicht, wem ich noch trauen konnte“, antwortete der Offizier.
„Uns hätten Sie trauen müssen.“
Der Offizier sah auf seine aufgerissenen Handschuhe.
„Ja.“
Mehr sagte er nicht.
Es war keine Entschuldigung, die alles ordnete, aber es war das erste Mal, dass er sich nicht hinter einem Befehl versteckte.
Später wurde die zusätzliche Pumpenleitung aus dem Wasser gezogen.
Sie führte zu einer tragbaren Steuerung im hinteren Gang, direkt neben der Stelle, an der der unbekannte Mann eingeschlossen worden war.
An der Leitung hing noch das ausgefranste Stück des Seils, das ich unter dem Kiel beinahe vollständig durchschnitten hatte.
Die Vorrichtung erklärte den ungleichmäßigen Sog, den Countdown und die plötzlichen Bewegungen des Patrouillenbootes.
Sie erklärte auch, weshalb der Mann unbedingt wollte, dass ich mich entfernte.
Ohne jemanden am Boot hätte seine Konstruktion das untere Tor geöffnet und zugleich den Eindruck erweckt, die Besatzung sei bei einer panischen Flucht in die Strömung geraten.
Nur der sauber gelegte Festmacher passte nicht in diese Geschichte.
Der Offizier hatte alles riskieren müssen, um sechs Menschen vor einem Mann zu verstecken, der jede offene Warnung hören konnte.
Doch er hatte einen Knoten hinterlassen, der jedem erfahrenen Blick sagte, dass hier etwas nicht stimmte.
Die zuständige Wache öffnete den hinteren Gang erst, nachdem die Pumpe vollständig getrennt und das Tor gesichert worden war.
Der Mann darin gab keinen weiteren Befehl.
Ohne den Tauchkanal klang seine Stimme plötzlich nicht mehr allgegenwärtig.
Sie gehörte nur noch zu einem einzelnen Menschen, der vor einer herausgerissenen Steuerung stand und nicht erklären konnte, weshalb seine Leitung mit dem Tor verbunden gewesen war.
Die sechs Helme wurden aus dem Wasser geholt.
Einer hatte einen tiefen Kratzer, zwei waren voller Schlamm, und in einem hatte sich ein Stück des ausgefransten Seils verfangen.
Die Matrosen stellten sie nicht sofort zurück in den Schrank.
Jeder nahm seinen eigenen Helm und trug ihn selbst vom Dock.
Der verletzte Matrose blieb als Letzter beim Patrouillenboot stehen.
„Sie haben den Knoten gesehen“, sagte er zu mir.
„Ja.“
„Aber Sie haben ihn gelöst.“
„Jemand war im Rumpf eingeschlossen.“
Er strich mit der Hand über die verbogene Luke.
„Dann hätte ich dasselbe getan.“
Der Offizier kam zu uns, hielt ein neues Festmacherseil in den Händen und reichte mir ein Ende.
Gemeinsam zogen wir das Boot an seinen ursprünglichen Platz zurück.
Diesmal kontrollierte der Matrose jede Bewegung der Führungsschiene, während die fünf anderen am Laufsteg standen und die Leinen annahmen.
Niemand sprach über Panik.
Niemand musste so tun, als sei die Besatzung verschwunden.
Als der letzte Festmacher lag, prüfte der Offizier den Knoten, zog einmal daran und trat zurück.
Bevor ich das Dock verließ, zog ich ihn noch ein wenig fester.
Diesmal wusste ich, für wen er gedacht war.